Zähne putzen mit Zwillingen und Baby

Letztens fragte mich unser Zahnarzt, wie es denn so mit Henri ist und ob ich denn irgendwie die Möglichkeit hätte, so ein bisschen an seine Zähne ranzukommen.

Ähm ja, er macht den Mund auf und freut sich, wenn die Zahnbürste seine Zähne kitzelt. Klar habe ich es mit ihm etwas einfacher, weil er ja bei den Großen sieht, was sie da tun und dass man das tut: dieses Ding mit kitzeligen Borsten vorn dran in den Mund stecken und irgendwie rumschrubben 🙂

Nein, im Ernst. Der Beginn der Zahnputzzeit war bei allen Kindern bisher relativ entspannt, was ich schön finde. Denn da spüren sie, was es ist: dramatisch, angstvoll, entspannt, lustig … und das begleitet sie dann auch weiter.

Und ich hab mit meinen drei gemerkt, dass es immer so ein bisschen auf meine innere Haltung in dem Moment ankommt. Haben wir Zeitdruck, wie morgens, gehts weniger gut. Sind wir abends entspannt alle im Bad und war die Situation auch vorher ausgeglichen, funktioniert vieles eh viel besser.

Wie läuft es bei uns ab?

Morgens putzen wir direkt nach dem Frühstück, sodass es gar nicht erst in Vergessenheit gerät.

Auch abends nach dem Abendessen im Bad gibt es einen immer gleichen Ablauf. Gesicht vorsichtig waschen, Nase und Ohren reinigen, Schlafanzug anziehen und dann die Zähne putzen. Zunächst putze ich vor, danach dürfen die Kinder selber putzen. Das funktioniert bisher wirklich gut und wird auch so akzeptiert. Wichtig dabei ist: alles ohne irgendwelche Medien, denn davon halte ich gar nichts. Zähne putzen gehört wie alles andere zum Leben dazu und ich möchte meine Kinder nicht vom Wesentlichen ablenken. Ja, sie dürfen TV, aber eben nicht zum Zähne putzen im Bad per iPad oder ähnlich.

Was mache ich, wenn sie sich mal komplett sträuben?

Luis hat einen starken Willen und wehrt sich oft. Abends ist das immer etwas leichter, weil er gern den Sandmann schauen möchte. Wenn er trödelt (und ich plane viel Zeit ein), kann er eben keinen Sandmann schauen. Das wird von mir nicht als Drohung ausgesprochen. Nein. Aber als gegebene Tatsache und das sieht er dann auch ein. Oft erkläre ich ihnen auch, was mit den Essensresten in ihrem Mund passiert. Dann fragen sie interessiert nach und finden dies auch ziemlich befremdlich. Also machen sie dann gern den Mund auf und lassen sich die Zähne putzen.

Seit die Kinder Zähne putzen habe ich weder mit irgendwas gelockt oder gedroht. Es gehört einfach ganz normal zum Tagesablauf dazu und gut. Ich sehe das Zähneputzen auch selbst nicht als notwendiges Übel und das ist sicher oft auch der springende Punkt im Umgang mit Kindern. Wie sehen wir selbst eine Sache, die wir überzeugend rüber bringen wollen? Wie gehen wir damit um? Was vermittelt dann unsere nonverbale Sprache? Habt ihr schon mal in den Spiegel geschaut, wenn ihr eure Kinder überreden wollt, Zähne zu putzen? Reflektiert ihr eure Sprache in solchen Momenten?

Übrigens können Kinder erst im Schulkindalter motorisch und verständlich die Zähne komplett alleine so sauber putzen, dass sich Eltern keine Gedanken mehr um schlechte Zähne machen müssen. Vorher sind wir also 7 Jahre lang 2 mal täglich gefordert, gemeinsam mit unseren Kindern auf eine gute Mundhygiene zu achten. Viel Spaß dabei 🙂

Bewegung bei Babys begleiten

(Werbung) Hand aufs Herz: sind wir nicht alle ein bisschen ungeduldig, was die Bewegungsentwicklung unserer Babys betrifft? Wir freuen uns, wenn sie ENDLICH krabbeln, sitzen, laufen können. Wir spornen sie an, ermutigen sie, locken sie. Klar, wenn sie das nächste können, ist es immer erleichternd, einfach, weniger anstrengend für uns.

Aber nein. Ich plädiere für eine freie Entwicklung ihrer Bewegung und für ein Inruhelassen ihres inneren Motors. Ich plädiere für Geduld der Mamas und für ein Beobachten ihrer Kinder in vollem Umfang. Aufmerksam. Langsam begleitend.

Warum? Weil wir die vielen kleinen Forschritte meist gar nicht wahrnehmen. Zum Beispiel ist die Seitenlage eine total vernachlässigte Position durch uns Eltern. Wir sehen: oh, das Baby kann sich auf den Bauch/Rücken drehen, wenn es aber genüsslich in der Seitenlage verweilt, fällt uns das nicht auf, weil wir permanent darauf warten, dass es sich gleich dreht. Oder auch diese vielen kleinen Übungssequenzen, die unsere Babys durchführen, um sich für die Aufrichtung vorzubereiten. Ein Schaukeln mit dem Po, die Seitenlage mit nach hinten balanciertem Bein, das nach Obenstrecken des Arms, das Wippen mit dem Rumpf und so viele andere kleine Bewegungen, die uns meist kaum auffallen.

Warum lassen wir ihnen nicht einfach ganz in RUHE die Zeit, um sich aus sich heraus zu entwickeln, ohne sie zu aktivieren? Sie haben eh ihren inneren Plan, ob wir wollen oder nicht. Früher oder später werden sie uns entgegen laufen und dann können wir uns immer noch mit ihnen freuen. Meine Mutter (auch Pädagogin) sagte einmal: „Sei froh, wenn dein Kind später läuft.“ Es sei viel besser für die Muskeln, die Knochen und das Gleichgewicht, wenn sie nicht schon mit 10 Monaten loslaufen. Also üben wir uns doch in Geduld und lassen unsere Kinder uns überraschen. Es ist ein bisschen wie mit ihrem GEBURTstag – sie bestimmen. Manche Babys sind schneller, manche langsamer. Na und? Wo ist das Problem?

Klar, können wir ihnen dennoch die Bewegung versüßen. Wir können ihnen passende Spielmaterialien geben, die auf ihre Fähigkeiten abgestimmt sind.

So zum Beispiel robbt Henri lachend und liebend gern einer Glöckchenrolle hinterher. Sie klingt wunderschön, nicht zu laut und ganz lieblich. Sie ist bunt und sie rollt relativ langsam über den Boden. Oder auch Filzbälle liebt Henri sehr. Sie kullern nicht so schnell weg, wie beispielsweise Holzkugeln.

Ich persönlich bin kein Fan von Lob. Nein, ich lobe keines meiner Kinder für Entwicklungen, die von innen kommen, auch nicht fürs Aufessen und eben nicht für Bewegung. Stellt euch mal vor, euer Partner würde euch dafür loben, wie schön ihr gerade aufgestanden seid 😉

Was ich schon tue, ist mich freuen und mein Kind wahrnehmen. Ich sage „du bist ein Stück gelaufen“ oder „du hast dich hingesetzt“ … ich bin der Überzeugung (und das haben mich meine Zwillinge gelehrt), dass Kinder nicht gelobt, sondern gesehen werden wollen. Und das trifft bereits bei Babys zu 🙂 auch setze ich mich nicht vor Henri und strecke ihm die Arme entgegen, um ihn zu mir zu locken. Er soll selbst entscheiden, wann er kommt. Möchte ich ihn wickeln, gehe ich zu ihm hin. Auch übe ich mit ihm keinerlei Positionen: sitzen, drehen, stehen. Klar, wenn es von ihm aus kommt, dass er seine Beinchen durchdrückt, halte ich ihn. Wenn er sich aufsetzen möchte, halte ich ihn. Aber das alles niemals allein.

So viele Muster im Gehirn gehen verloren, wenn wir unseren Babys die Bewegungen und Positionen vorweg nehmen. Wichtige Verbindungen können nicht entstehen, wenn sie es nicht von selbst erfahren. Und, was ich das wichtigste finde: ihr Selbstbewusstsein leidet, wenn wir es ihnen abnehmen und sie es nicht von selbst schaffen lassen.

Also bitte liebe Mama und Papas: lasst ihnen Zeit und Ruhe. Setzt euch mit einem Kaffee daneben und beobachtet sie. Genießt es, wie eure Kinder alles selbst schaffen, entdecken und sich freuen, wenn sie das nächste Ziel ganz von allein gepackt haben.

Stillen vs. Fläschchen – ein Erfahrungsbericht

Ein sachliches Thema, mag man meinen. Aber so mittendrin angeschaut ist es doch bespikt mit einigen Emotionen, da ich das, was ich rückblickend betrachte, ziemlich spannend und erstaunlich finde. Kurz nach Henris Geburt hatte ich schon mal drüber geschrieben, nur nicht mit dieser Langzeiterfahrung von 10 Monaten (lest Stillen: 3 mal anders).

Mein Ziel ist es, diesen Text ganz wertfrei zu schreiben, denn auch ich hab mit meinen Kindern beides gelebt. Ich habe die Auswirkungen vom Fläschchengeben sowie vom Stillen bemerkt und sehe, welche Unterschiede es bei UNS gibt. Das ist ganz sicher keine Erkenntnis für alle Kinder, denen die Nahrung ebenso unterschiedlich gegeben wird. Es sind meine Erfahrungen mit meinen Kindern. Und darüber möchte ich berichten.

Hanna und Luis haben relativ schnell die Flasche bekommen (8 Wochen Muttermilch), weil Hanna zu klein (1970g zur Geburt) und zu schwach war um zu saugen und Luis hat ein zu kurzes Zungenbändchen, weshalb er nicht richtig andocken konnte. Das habe ich leider erst viel zu spät bemerkt.

Nun gut. So bekamen sie die Flasche und ich die Hilfe meines Mannes. Jeder hat abwechselnd immer einem Baby das Fläschchen gegeben, was sehr erleichternd war Auch er war es, der die Fläschchen nachts vorbereitet hat. Welch Segen.

Den Brei habe ich den beiden dann ab dem 5. Monat ungefähr gegeben. Sie nahmen ihn beide sehr schnell sehr gut an. Im Nachhinein betrachtet, sicherlich deshalb, weil sie das Gefühl eines „fremden“ Gegenstandes im Mund schon kannten. Sie kannten den Unterschied von Muttermilch zu PRE-Milch und so war der Schritt zum Brei nicht weit.

Bei Henri sieht das schon ganz anders aus. Ihn habe ich vom ersten Tag gestillt, nur mal 2-3 Tage lang eine Flasche gegeben, damit er die Milch besser bekommt. Denn auch er war zeitweise sehr schwach zu Beginn Seines Lebens. Brei kann er überhaupt nicht leiden. Er hat erst mit 8 Monaten so ganz langsam angefangen zu essen, gleich zu Tisch und fast alles, was ich auch mag: Nudeln, weiches Gemüse, Käse, Joghurt, ab und an Wurst, Kartoffeln, … alles gleich in kleinen Stückchen und er hat es super gemacht. Manchmal kaue ich ihm vor und gebe es ihm mit den Fingern, den Löffel mag er nur beim Joghurt, den ich zeitgleich auch esse. Bis jetzt hat er noch nie etwas ausgespuckt. Bei Hanna und Luis war das ganz anders, weshalb ich vermute, dass sich der Geschmack der Babys schon auch mit durch die Muttermilch prägt. Diese Chance hatten Hanna und Luis nicht, weshalb wir uns da gemeinsam reinfinden mussten. Es hat mir aber unglaublich Spaß gemacht, sie dabei zu begleiten und zu sehen, was ihnen auch mal nicht schmeckt. Henri wiederum schmeckt alles bisher 🙂

Dazu muss ich allerdings sagen, dass wir mit 6 Monaten bei ihm eine Eisenmangelanämie festgestellt haben, weshalb er Eisentropfen bekommt. Eine Begleiterscheinung dessen war eine sehr langsame körperliche Entwicklung sowie ein Restlesslegs-Syndrom. Beides hat sich gut gegeben seither. Er robbt seit 1 Monat nun durch die Gegend und probiert neue Körperpositionen aus (zum Thema: Bewegung bei Babys begleiten schreibe ich demnächst noch etwas). Sitzen kann er allerdings immer noch nicht.

Welche Unterschiede gibt es noch: Hanna und Luis haben ihren Schnuller geliebt, Henri mag keinen. Er würgt ihn förmlich aus, ebenso wie ein Fläschchen. Ich bin ganz froh drum, da ich nun kein Problem mit der Abgewöhnung habe 🙂 bei Hanna und Luis war das lange Zeit nämlich Thema (lest Schnullerfee? Nö. Müllberg 😀).

Außerdem trinkt Henri jetzt schon aus dem Becher. Hanna und Luis hatten lange Zeit eine Sportflasche mit ihrem Tagesgetränk. Erst seit geraumer Zeit bestehen sie auf ihren Becher beim Essen.

Wie geht es mir als Mama rückblickend? Welche Gedanken kommen mir ins Herz, wenn ich beides im Nachhinein betrachte?

Grundsätzlich sagt mein Bauch: alles darf sein und es ist so gekommen, wie es richtig war. Klar, Zwillinge zu stillen ist eine Hausnummer. Beide gleichzeitig noch viel mehr (ich habs probiert), weshalb ich es auf eine Art gut finde, dass wir die Möglichkeit der Fläschchen hatten. So bekamen sie auch während der Mahlzeit von dem jeweiligen Elternteil die ungeteilte Aufmerksamkeit. Später, als mein Mann wieder arbeiten ging, war das schon ganz anders. Da kam für mich der Stress. Fläschchen vorbereiten, Fläschchen gleichzeitig geben (ich saß im Schneidersitz auf dem Sofa, beide vor mir), Bäuerchen mit Zwillingen gleichzeitig machen, zumal Luis ein Speibaby war – alles in allem alleine echt n krasses Ding. Da ist stillen schon um einiges entspannter. Nix vorbereiten, nix auf die richtige Temperatur bringen, nix desinfizieren. Perfekt.

Was ist mit der Bindung? Ja, das ist schon anders, finde ich. Stimmungen von Henri kann ich viel besser deuten, Hunger und Durst, Müdigkeit etc. unterscheiden. Mit Henri fühle ich mich auch nicht so schnell überfordert, was aber der Tatsache zu Grunde liegen wird, dass ich nur ein Baby aktuell habe (zumindest wenn die großen zwei im Kindergarten sind). Auch wenn es überheblich klingt, aber ich fühle mit Henri genau das, was viele nach Zwillingen sagen: ein Kind ist kein Kind. Aber auch nur, weil ich es mit Zwillingen kenne und die ersten 10 Monate mich selbst vergessen habe, vor lauter Organisation, Zeitplanung und anderen Schwierigkeiten. Mit Henri sehe ich vieles lockerer: wann er trinkt, wann er isst, wann er schläft. Ich lass mich voll auf seine Bedürfnisse ein, wobei ich bei Hanna und Luis schon mehr getimed habe. Warum? Weil ich sonst auf dem Zahnfleisch gegangen wäre. Ich fand es toll, dass beide gleichzeitig tranken und schliefen. Das war ein Segen.

Bezüglich der Liebe ist es ganz einfach: ich liebe jedes Kind anders. Jedes Kind ist mir auf seine Art her nahe. Einfach, weil es ist wie es ist. Das hat überhaupt nichts mit dem Stillen oder dem Fläschchen oder dem Brei oder sonstigen zu tun.

Im Nachhinein betrachtet finde ich es schon sehr traurig, dass ich diese innige Erfahrung, dass Hanna und Luis ihre Lebenskraft aus mir heraus bekommen, nicht machen konnte. Bei Henri erfüllt mich das mit größtem Glück. Stillen ist schön, ganz klar und ich werde ihm es nicht verwehren, solange er es braucht und solange ich damit glücklich bin.

Ob es die kleinen Seelen nachhaltig beeinflusst, wie sie im ersten Jahr ernährt wurden, glaube ich nicht. Viel wichtiger ist das drumherum. Geborgenheit, Liebe, Nähe und Aufmerksamkeit. Das zählt am Ende tausendmal mehr.

Update: Naturkind Kinderwagen LUX

(Werbung) Im November habe ich euch den neuesten Kinderwagen der österreichischen Firma Naturkind vorgestellt. Heute möchte ich einige Ergänzungen machen, denn Henri ist älter geworden. Wir nutzen nun die Sitzeinheit und haben einige Erfahrungswerte, was das Fahren im Schnee betrifft, dazu gewonnen.

Die Sitzeinheit

Henri kann zwar noch nicht allein sitzen, aber er möchte viel sehen und war in der Liegeposition enorm unzufrieden. Deshalb haben wir es einfach mal ausprobiert (mit schräger Lehne versteht sich) und siehe da: Baby glücklich. Beim Spazierengehen variiere ich jedoch oft und trage Henri auch sehr gern im Tuch.

Die Sitzeinheit selber ist der Wahnsinn, da Kinder bis zu einem Gewicht von 22kg darin fahren können. Die Rückenlehne ist enorm lang und man kann sie ganz horizontal stellen, sodass der größtmögliche Schlafkomfort gewährleistet ist. Zudem ist der Sitz aus Kork und damit wieder wunderbar naturnah.

Die Sitzeinheit ist mit einem 5-Punkt-Gurt ausgestattet, der für einen sicheren Halt sorgt. Außerdem ist sie in beide Richtungen aufsteckbar und hat im Sonnendach ein integriertes Mückennetz.

Fahrkomfort im Schnee

Als ich mit Henri das erste Mal im Schnee gefahren bin, habe ich mich gewundert, warum es schwerer geht 😉 als ich drauf kam, dass ich die Räder nur feststellen muss, ging es wieder wunderbar leicht.

Ist der Schnee jedoch tiefer als 20cm, kann es auf unebenen Untergrund schon mal vorkommen, dass man den LUX ziehen muss. Aber auch das ist dann kein Problem. Das geht ganz wunderbar.

Was vermisse ich?

Erst heute war ich wieder mit dem LUX unterwegs und merke, dass ich eine Kleine Tasche für Haustürschlüssel und Handy benötige. Nix großes, sondern wirklich nur klein und praktisch. So wie das Versteck in der Babyschale 🙂

Gesund schlafen – unsere Routine

(Werbung) Wie machen wir das so? Wie geht das abends mit Baby und Zwillingen? Gibt es Tipps?

Also. Zunächst einmal möchte ich euch unsere aktuelle Bettgehsituation schildern, denn es hat sich so einiges verändert, seit Henri bei uns ist. Da mussten wir uns alle 4 erst mal ganz schön einfuchsen. Mittlerweile läuft es richtig gut und 19:30 Uhr schlafen tatsächlich alle Kinder.

Als wir im September 3 Wochen mit Papa Urlaub hatten, hat sich am Schlaf der Zwillinge einiges geändert. Sie fanden mittags plötzlich nicht mehr gut in den Schlaf, sind meist erst nach 30 bis 60 Minuten eingeschlafen. Nach 2 Stunden Mittagsschlaf, der dann bis 15 Uhr dauerte, wurde es abends dann auch schwieriger, sie ins Bett zu schaffen. Oft hat Luis dann noch bis 21 Uhr gerufen, gesungen oder versucht, die schlafende Hanna zu ärgern.
Also haben wir den Mittagsschlaf abgeschafft und das kurz vor dem 3. Geburtstag. Und es klappt erstaunlich gut. Seitdem schlafen sie 19 Uhr innerhalb von 5 Minuten ein.

Vorher gibt es unsere immer gleichbleibenden Rituale: 18 Uhr essen wir zu Abend und gehen anschließend ins Bad. Danach dürfen sie Sandmann schauen und gehen dann ganz freiwillig ins Bett. Henri ist da immer mit dabei. Im Bad in der Babywippe und beim Sandmann sowie beim Geschichtelesen im Bett dann auf meinem Schoß. Nachdem ich die großen zwei dann mit vielen Küssen „Gute Nacht“ gesagt habe, schaffe ich Henri ins Bett. Aktuell stillt er sich in den Schlaf, was ich noch völlig okay finde.

So. Nun zu DEN Feinheiten, die wir jeden Abend genießen:
– Ich lüfte die Schlafzimmer lange vorm Zubettgehen auf eine Raumtemperatur von 18-20 Grad (Hanna und Luis schlafen zwar mit Kamelflaumhaarbettdecken, decken sich jedoch immer wieder auf, weshalb ich es imKinderzimmer nicht zu kalt halte). Kurz nach dem Lüften kommt ganz häufig das „Baby Helferspray“ von aetherio.de zum Einsatz und zaubert einen wohligen Duft ins Kinderzimmer.
– Zum Abendessen lieben wir mit Honig den Betthupferltee von Sonnentor.com. Die Melisse beruhigt.
– Sie lieben ihr kleines Zirbenkissen mit einem Hasenohr von zirbelkind.at, da es so wunderschön und beruhigend nach Zirbe duftet.
– Jetzt in der kalten Jahreszeit ziehe ich allen 3 Kindern sehr gern die kuscheligen Frotteeschlafanzüge von Lotties.de an.
– Jeden Abend reibe ich ihre Handrücken mit unserem selbstgemachten Schlafbalsam (Lavendel und Zirbelkiefer entspannen) ein (das Rezept hierzu findet ihr auf unserem Instagramaccount zwillingeplus1 und er ist in 5 Minuten hergestellt).
– Wenn Hanna und Luis einen arg aufregenden Tag hatten, gibt es eine Zauberschlafperle (Rescue Night Pearls mit Bachblüten – aus der Apotheke).
– Sehr früh habe ich mit gedämpften Licht in den Schlafräumen angefangen. So leuchtet bei Hanna und Luis immer schon die Trousselier Laterne und bei Henri eine Salzkristalllampe im Schlafzimmer.
– Und natürlich gibt es jeden Abend entweder ein Märchen aus unserem großen Kindermärchenbuch (Lieblingsmärchen ist derzeit: Der Wolf und die sieben Geißlein) oder ein Lied, welches meist ein kreativ erfundenes Lied mit diversen Tieren ist, die sich Hanna und Luis dann wünschen (Melodie: „Der Mond ist aufgegangen“).

Das sind so unsere feinen kleinen Rituale, die es uns allen ein wenig leichter machen, in den gesunden Schlaf zu finden. Vielleicht ist ja der ein oder andere Tipp für euch dabei (lasst es mich wissen ).

Zu den ätherischen Ölen (im Schlafbalsam sin Lavendel und Zirbelkiefer) ist zu sagen, dass ich sie nur bei Hanna und Luis anwende, da die Konzentration für Babys zu hoch ist. Grundsätzlich sollte man bei Babys bis 6 Monate eher auf ätherische Öle verzichten oder sie extrem sparsam verwenden. Solange man stillt ist es ratsam, sie ganz wegzulassen, um das kleine Näslein nicht zu verwirren.

6 Monate zu fünft

Was hat sich verändert? Wo stehen wir im Vergleich zum Anfang? Was hat sich bewegt?

Oh, es ist so einiges anders geworden. Seit Hanna und Luis in den Kindergarten gehen und täglich 4 bzw. 6 Stunden nicht zu Hause sind, hat sich unser Alltag gedreht. In eine völlig losgelöste Struktur.

Auf der einen Seite finde ich das so überhaupt nicht gut. Nicht für mich und nicht für Henri. DENN: Eigentlich wollte ich Hanna und Luis in einer Kita anmelden, in der sie täglich bis 15 Uhr betreut sind, weil ich finde, dass auch Henri seinen geregelten Mittagsschlaf bekommen darf, wie ihn auch Hanna und Luis genießen konnten. 11:30 Uhr Mittagessen und 12 Uhr ins Bettchen. Schlafen bis 14 Uhr und weiter im Nachmittag. Das geht so hier alles nicht mehr. Montag, Mittwoch und Freitag sind Hanna und Luis bis 12:30 Uhr im Waldkindergarten und Dienstag und Donnerstag bis 14:30 Uhr. An den beiden längeren Tagen lege ich Henri (mich inklusive) immer ins Bett. Wir schlafen dann ein bis zwei Stunden und das tut uns richtig gut. An den anderen Tagen geht es nicht und ich bin froh, wenn wir spätestens 13:30 Uhr Mittagessen und sie dann eventuell spielen oder vielleicht auch ein bis zwei Folgen Pipi Langstrumpf schauen, während ich mich mit dem schlafenden Henri auf dem Arm auf unser zweites kleine Sofa setze. Wie lange kann das noch so gut gehen?

Auf der anderen Seite öffnet mir dieser neue Ablauf auch Möglichkeiten zum Umdenken. So bin ich doch in meinem Strukturdenken völlig eingefahren gewesen und sehe nun, dass es den Kindern auch ohne meine Struktur echt gut geht. Zumal Henri ja in 2,5 Jahren auch in diesen Waldkindergarten gehen wird und somit die Struktur nun schon kennenlernen wird.

Was hat sich noch getan? Zwischenmenschlich!

An das Gefühl, Henri wie eine Löwin zu beschützen, habe ich mich inzwischen gewöhnt. Er ist ja nun auch nicht mehr so zerbrechlich, wie am Anfang und hält es schon mal aus, wenn die Geschwister mal etwas wilder knuddeln. Alles lasse ich trotzdem nicht zu und es gibt auch immer noch Momente, in denen ich ihn direkt aus der Situation auf den Arm nehme, weil es mir einfach wohler ist. Können doch 3 Jährige viele Gefahrensituationen noch überhaupt nicht einschätzen.

Zwischen den Zwillingen und mir wird es auch ganz langsam wieder entspannter. Ich habe das Gefühl, dass sie sich mir auch wieder mehr öffnen können. Mich mehr zu sich durchdringen lassen. Als ich mit Henri nach Hause kam, war das ja ziemlich heftig. Ablehnung und Traurigkeit machten sich breit Die erste Zeit zu Hause Und ich dachte ja nun nicht, dass es so lange dauern würde, bis es sich für mich wieder einigermaßen akzeptabel anfühlt Update: 6 Wochen zu Hause 

Der Kindergarten hilft uns dabei allerdings auch sehr. Sie erfahren eine unglaubliche Bereicherung für sich und ihre Entwicklung als eigenständiges Persönchen und ich habe etwas Zeit für mich am Vormittag, wenn Henri seine halbe Stunde schläft oder habe Zeit nur für ihn, wenn er wach ist.

Jeder hat hier in der Familie so seine Zeit gebraucht und ich habe dem auch ganz viel Raum gegeben, nicht zu oft drüber nachgedacht, es einfach fließen lassen. Ich denke, wir sind nun immer noch in diesem Prozess, in dem wir uns zu fünft finden und ich bin neugierig, wann es sich dann alles ganz rund anfühlt. Vielleicht zum 1. Geburtstag von Henri? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass ich gelernt habe, dass jeder neue Mensch, der in eine Familie hinzu kommt, die Familienwaage erst einmal ins Wanken bringt und dass sich jeder die Zeit nehmen darf, sich neu zu finden, seinen Platz neu auszurichten, neue Perspektiven einzunehmen und neue Kraftmomente für sich zu entdecken. Und genau das macht eine kinderreiche Familie so lebenswert: es ist immer neuschöpfende Veränderung, bis man irgendwann ankommt. L E B E N

Sauberwerden geht nicht sauber

Eines der größten Themen im Kleinkindalter (neben der Trotzphase) ist das Sauberwerden. Und dass das nicht so ganz von alleine geht, ist sicher jeder Mama bewusst. Nur wie „macht“ man es als Mama richtig?

Ich sage: gar nicht. Aber nicht, weil wir alle Mamas etwas falsch machen. Nein. Ich denke, wir müssen einfach gar nichts tun, außer unsere Kleinen beobachten, mit ihnen reden und sie in ihrem Sauberwerden akzeptieren.

Jedes Kind ist so individuell darin, wie es auch individuell ist, wann Kinder durchschlafen. Die Schließmuskelkontrolle geschieht nicht etwa bei jedem Kind um den gleichen Zeitpunkt herum. Nein. Es sind ganz viele Faktoren beteiligt, wann ein Kind nun bereit ist, die Windel abzulegen.

Da ich ja Mama von Zwillingen bin, konnte ich zeitgemäß beobachten, wie unterschiedlich es jeweils ist. Während Luis sich schon recht früh (mit circa 13 Monaten) vor dem Baden auf Toilette setzen ließ und jedes Mal auch etwas kam, verweigerte Hanna ganz lange die Toilette. Sie ließ sich zwar 3 Sekunden drauf setzen, wollte dann aber in die Badewanne. Und das war okay für mich.

Hin und wieder sprach ich zu ihr, dass es gut ist, dass sie auf Toilette sitzt, mehr aber auch nicht. Ich schimpfte sie nicht, wenn nichts kam oder aber erst in der Badewanne. Im Gegenteil, ich freute mich für sie, dass sie in warmen Wasser los lassen konnte und es auch bemerkte. Ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Dann kaufte ich irgendwann ein Töpfchen (wohlgemerkt aus Bambus – lässt sich wunderbar vergraben in 10 Jahren) und ließ allem lange lange Zeit. Tagsüber zogen sie sich selbst die Windel aus, als sie knapp 24 Monate waren. Es passierten jedoch immer wieder Missgeschicke und einiges ging daneben. Nicht schlimm. Aufwischen und gut. So tat ich es eigentlich bis diesen Sommer, aber immer mehr und mehr gingen sie ins Bad und pieselten zumindest schon mal NEBEN das Töpfchen. Das große Geschäft wurde immer in einem geschlossenen Raum (bevorzugt Garderobe und Bad) in die Windel gemacht.

Ich erklärte und erklärte immer und immer wieder ruhig, wo das hingehört, was da unten raus kommt und irgendwann fing es an, immer wieder zu klappen. Zuträglich waren da sicher auch die Stoffwindeln, da wir den Stuhlgang jedes Mal nach dem Wickeln gemeinsam zur Toilette schafften und sie spülen durften.

Alles so ganz ohne Stress. Ich trainierte nichts mit ihnen. Wir übten nicht bewusst. Wir ließen uns alle einfach treiben mit dem Thema. Und siehe da, es klappt ganz ohne Windel noch vor dem 3. Geburtstag. Einen anderen Anspruch hatte ich gar nicht bzw. habe ich eigentlich nie keinen gehabt. Wozu auch? Es ist ihr Körper und ich möchte sie dahingehend zu nichts zwingen, weil es einfach nicht in meiner Macht steht, welche Entwicklungsschritte ihr Gehirn und ihr Körper gerade macht.

Hin und wieder wollen sie gern einfach eine Windel drum haben. Aber das eigentlich nur, weil sie in Ruhe spielen wollen ohne ständig auf Toilette flitzen zu müssen. Und ich? Ich gebe ihnen die Windel. Weil es okay für mich ist und weil mir das Wohlbehagen meiner Kinder sehr am Herzen liegt.

Wie denkt ihr darüber???

Kindern spielerisch durch die Trotzphase helfen

Knorke zog vor einigen Wochen bei uns ein. Knorke – das ist der kleine flauschige Maulwurf, der immer nen frechen Spruch auf den Lippen hat und die Kinder regelmäßig nur durch sein Schnüffeln zum Lachen bringt.
Warum er eingezogen ist, lässt sich einfach erklären. Wir befinden uns seit langer Zeit mitten in der Trotzphase und ich suchte nach einer Möglichkeit, die Kinder spielerisch abzuholen, wenn sie sich in ihrer Wut befanden. So hatte ich die Idee, dies mit einer Handpuppe auszuprobieren. Gesagt, getan. Ich entschied mich für den frechen Knorke, da er am besten zu Hanna und Luis passt und bestellte ihn irgendwo im Internet.

Als er ankam, schnüffelte er sich bereits aus dem Paket, was für einen riesen Spaß sorgte. Danach stellte er sich vor und die Kinder waren verliebt.

Handpuppen sind für Kinder etwas ganz besonderes. Sie übernehmen die Rolle eines Freundes, dürfen aber gleichermaßen den Kindern auch viel vermitteln, was durch die Eltern oft nicht möglich ist. So spiele ich mit Stimme und immer wieder kehrenden Sprüchen, die eine Routine an die Handpuppe binden und auch wieder sehr lustig sind.

Das holt Hanna und Luis immer wieder auf ihrer Ebene ab und begleitet sie durch die für uns alle anstrengende Phase. Es klappt erstaunlich gut und sehr schnell, wenn Knorke kommt und schnüffelt. Wenn Luis vorher noch gebrüllt hat, muss er nun unweigerlich lachen und das Eis ist gebrochen. Dann nimmt er Knorke am Pfötchen und kommt mit zurück an den Esstisch, etc.

Oder auch abends die Situation im Bad. Knorke begleitet uns regelmäßig beim Zähne putzen und seitdem er das hin und wieder sogar macht, läuft es wie am Schnürchen.

Knorke ist eine riesen Bereicherung und Erleichterung auch für mich. Mit ihm habe ich einen Zugang zu den Kindern gefunden, den ich vorher nie für möglich gehalten habe. Es funktioniert und das erstaunt mich. Und es freut mich auch für die zwei, weil sie somit auch einen Weg zu mir zurück finden, den sie bisher immer versperrt haben.

Es kann so einfach sein und das für nur rund 30€ 🙂

Habt ihr auch Handpuppen? Wie setzt ihr sie ein?

Das dritte Rad am Wagen?

Viele fragen mich immer, wie es denn nun so ist, wenn man nach Zwillingen „nur“ ein Baby hat. Ist es einfacher? Ist es schöner?

Tja, was soll ich dazu schreiben? Es ist ANDERS. Und wie? Ja, das versuche ich euch heute mal zu beschreiben.

Schon in der Schwangerschaft spürte ich einen klaren Unterschied: es war ruhiger im Bauch. Kein wildes durcheinander von 8 Gliedmaßen, die mich abwechselnd links und recht spüren ließen, dass mein Bauch voll gefüllt mit Leben ist. Kein Schluckauf links und rechts im Wechsel. Nein. Henri war von Anfang an anders in meinem Bauch. Ruhiger, strich nur leicht mit seinen Füßchen von innen, bewegte sich nur sacht. Schluckauf hatte er aber trotzdem so häufig 🙂

Die Geburt war auch ANDERS. Länger. Schmerzhafter. Und nach einem Baby war dann schluss. Es kam kein zweites raus. Nur eins auf dem Bauch, das war irgendwie eigenartig, aber auch wunderschön. Er konnte einfach liegen bleiben und ichvihn genießen. Ich hatte nicht das Bedürfnis jeden gleich oft anzuschauen, wie es bei den Zwillingen der Fall war. Nein. Ich sah nur den einen Zwerg und das war  toll. Entspannter.

Seltsam war es dann, als Henri auf die Intensivstation musste, denn dann hatte ich nämlich kein zweites Baby im Arm, sondern war nachts ganz allein. Auf der Intensivstation hatte ich im Vergleich dann aber wieder mehr Ruhe, als bei Hanna damals, weil ich eben nicht immer im Hinterkopf hatte, dass da noch ein Baby auf mich wartet. Das hat mich damals verrückt gemacht. So hin und her gerissen zu sein.

Im Alltag ist es natürlich ganz besonders, nur ein Baby auf dem Arm zu haben ohne das schlechte Gewissen, dass ich das zweite ja grad vernachlässigen könnte, wenn ich mit dem einen grad kuschel. Und das genieße ich unendlich. Noch dazu kommt, dass ich Henri stille, Hanna und Luis damals nicht. Das bringt mich ihm auch nochmal näher. Ich verstehe seine Zeichen viel besser, weiß schneller, was er gerade braucht. Bei Hanna und Luis habe ich das nie so richtig gewusst. Jetzt erkenne ich am Quengeln, wenn Henri friert, Hunger hat, müde ist, die Windel voll hat, er kuscheln möchte oder ihm das Drumherum zu laut ist. Erstaunlich, oder?

Und ja, was ich schon spüre, wenn ich diese Zeiten vergleiche, ist, dass ich mich damals bei den Zwillingen viel mehr um Organisation und Struktur gekümmert habe. Gedanklich war ich stets dabei, es beiden immer recht zu machen, beide gleich zu behandeln, gleich viele Küsse am Tag zu verteilen, gleich oft in die Augen zu schauen, gleich häufig ein Lächeln zu schenken.

Jetzt ist das ganz anders. Sie kommen zu mir, wenn sie was brauchen und das ist gut so. Bis ich zu dem Punkt gelangt bin, es fließen zu lassen und es so anzuerkennen, sind bestimmt 2 Jahre vergangen. Vielleicht kam es jetzt auch erst mit Henri, dass ich mir um all das gar keine Gedanken mehr mache. Es einfach gehen zu lassen, ihnen auch einfach die Chance zu lassen, sich die Kuscheleinheiten zu holen. Dadurch haben wir zwar weniger Körperkontakt, aber es ist stimmiger, freier und ungezwungener, wenn ich Hanna und Luis einfach von sich kommen lasse. 

Bei Hebei ist es trotzdem so, dass ich mit ihm schmuse, wann immer er oder ich es mag. Zu ihm habe ich eh eine andere Verbindung. Vielleicht durch das stillen, vielleicht auch durch den etwas freieren Kopf. Aber es ist ANDERS.

Und klar mache ich mir auch oft Gedanken darüber, ob ich Henri unterm Strich näher bin und ihn damit mehr liebe. Aber im nächsten Moment sage ich mir einfach innerlich: „Nein, es ist einfach nur ANDERS“ und verschwende darin keine Zeit mehr.

 

Wie habt ihr es empfunden? Was waren eure Gedanken?

Stillen: 3 mal anders


Meine Stillgeschichte beginnt am 12.10.2014 ein paar Minuten nach der Geburt der Zwillinge. Nachdem klar war, dass sich Hannas Blutzucker nicht stabilisieren wird und sie auf die Intensivstation verlegt werden muss, nutzte meine Hebamme diese letzten wertvollen Minuten, die Hanna und Luis noch nackt und feucht auf meinem Bauch lagen. Zu meiner Überraschung fing sie plötzlich an, so ganz ohne Vorwarnung, an meinen Brustwarzen rumzukneten und zu drücken. Ich wusste nicht, was mir geschieht. Immer wieder nahm sie die Köpfchen in die Hand und zeigt ihnen die süße Milch. Luis konnte nicht gut andocken, Hanna hingegen trank wie eine Weltmeisterin. Kurz nach diesem Erfolg war sie auch schon weg auf Intensivstation und ich mit Luis plötzlich ganz alleine im Kreissaal, der eine halbe Stunde zuvor noch mit zahlreichen Personen gefüllt war. Alle zusammen 8 Erwachsene und mittenrein wurden ebendann zwei Minimenschlein geboren.
Nun gut. Die Stunden verstrichen, die Stillberaterinnen kamen. Ich pumpte fleißig ab, legte beide immer mal wieder an. Niemand trank so recht. Luis konnte nicht richtig andocken, warum erfuhr ich erst eineinhalb Jahre später. Und Hanna schlief immer wieder ein, nachdem sie ein paar ermüdende Züge nahm. Beide gleichzeitig am Busen war echt eine Herausforderung. Links immer wieder andocken, rechts am Wachhalten und zwischendurch immer wieder pumpen, pumpen, pumpen. Anfangs 3ml mit dem Ziel, die Milchproduktion täglich zu steigern. Der Milcheinschuss kam schon brav am 3. Tag, ich hatte gefüllte Brüste, aber trinken konnte keiner direkt. Also alles per Fläschchen. Meine Hebamme zu Hause beruhigte mich mit den Worten: „Das bekommen wir schon hin.“ Ich vertraute.

Zu Hause angekommen, das gleiche Spiel. Die Hebamme kam, legte beide an und es begann von vorn. Links Andocken ohne Erfolg, rechts schlief alles. Also pumpte ich weiter und fütterte mit dem Fläschchen. Beide wuchsen und gedeihten und das war für mich wirklich das wichtigste. Mit den Zwillingen war ich eh so im Organisations- und Strukturaufbau, dass mir das alles gut in den Kram passte. Ich pumpte nach der Uhr und ich fütterte nach der Uhr und gut. Es gelang so ganz gut. Keiner hatte zwischendurch Hunger. Alles war wunderbar getimed.

Die 8 Wochen Elternzeit meines Mannes verstrichen und ich konnte mir nicht vorstellen, das alles allein durchzustehen. Also entschieden wir, abzustillen. Nach einer Woche Pfefferminz- und Salbeitee waren meine Brüste leer und mein Unterbewusstsein klopfte immer wieder leise ein „Du hast versagt.“ Während der Kopf lauter sagte „Es ist in Ordnung.“ Was mein Herz sagte, wollt ihr besser nicht wissen.

So blieb es dabei. Wir fütterten ab da an Pulvermilch, die Mäuse schliefen von 23 bis 6 Uhr durch und gut wars. Soviel zum „Stillen“ (wohl besser Nahrungsaufnahme) der Zwillinge.

Dann kam Henri.

Alles anders. Andere Hebamme. Andere Tageszeit. Der Geburt. Andere Möglichkeiten. Henri wurde nachts geboren (hier findet ihr den Geburtsbericht), sodass viel Zeit blieb, dem kleinen Mensch seine Zeit zu lassen. Ich ließ ihn von selbst die Brustwarze suchen und unterstützte ihn nur leicht, da er doch sehr klein und noch eher schwach war. Die Hebamme hielt sich sorgsam raus und so konnten wir die nächtliche Zeit wunderbar und sogar eine Stunde länger im Kreissaal genießen. Auch wenn Henri am nächsten Tag ebenfalls wie Hanna damals auf die Intensivstation musste, konnte ich mich rund um die Uhr um ihn kümmern, da ich ja nicht noch ein zweites Baby hatte. Das war Gold wert. So verbrachte ich jede Stillmahlzeit bei ihm, legt ihn erst an und stillte den restlichen Hunger mit Muttermilch oder ausnahmsweise auch mit Pulvermilch danach per Fläschchen. Nachdem wir zu Hause waren, machte ich viel intuitiv. Irgendwann nach ein paar Tagen ließ ich die Muttermilch per Fläschchen weg und stillte ihn ausschließlich an der Brust. Das klappte ganz hervorragend und er schaffte es somit seither jede Woche knapp 250 Gramm zuzunehmen. Ich habe keine Ahnung, wie lange das so noch gehen soll 🙂

Was ist nun vom Gefühl her anders bei Henri?

Ja, irgendwie kann ich ihn und seine Körpersprache, seine Laute, sein Weinen viel besser lesen. Ich weiß, wann er Hunger hat, wann er die Windel voll hat, wann ihm kalt ist, wann er Bauchschmerzen hat, wann er kuscheln will. Das ist doch enorm, oder? Bei Hanna und Luis wusste ich ALL DAS nie!!! Deshalb kann ich auch nicht von Erfahrung sprechen. Die Bindung ist einfach enger, er ist mir näher. Das macht mir manchmal Angst, da mein Gerechtigkeitssinn sagt: „Hey, du liebst die drei nicht gleich.“ Aber dann halte ich inne und weiß, dass es nicht die Liebe ist, die sich durchs Stillen oder Nichtstillen unterscheidet. NEIN. Es ist viel mehr die Achtsamkeit, welche Mutter Natur uns in die Wiege gelegt hat. Und JA, ich kann sagen, dass ich diese Achtsamkeit bei Hanna und Luis eben nicht hatte. Dieses kleine feine Still-Band gab es eben einfach nicht. Nicht zuletzt, weil sie bei der Nahrungsaufnahme durch das Fläschchen „nur“ vor mir lagen und ich im Schneidersitz sitzend beide Flaschen gleichzeitig hielt. Klar ist es näher, wenn man das Baby im Arm hält während man das Fläschchen gibt, aber bei uns ging es eben nicht anders. Es war eine Herausforderung. Jeden Tag.

Und nun? Nun genieße ich das alles mit Henri, was ich damals bei Luis und Hanna so schmerzlich vermisst habe. Ich bin so unendlich glücklich, dass Henri von der ersten Minute an so gut stillt und mir damit ein sehr großes Geschenk macht. Und ich bin auch neugierig, ob sich diese Mama-Kind-Beziehung in Zukunft anders entwickelt. Ich werde berichten.

 

Nachtrag: Luis konnte deshalb nicht andocken, weil sein Zungenbändchen zu kurz ist. Er kann bis heute die Zunge nicht so weit hinaus strecken. Und nur dadurch fiel es mir irgendwann auf.