Alleinerziehend

Als ich letztens meinen Post bei Instagram veröffentlichte, in dem es um die Vorteile vom Alleinerziehendsein ging, war die Resonanz groß. Die verschiedensten Stimmungen habe ich erlebt. In den Kommentaren, wie auch in den privaten Nachrichten. Es schwankte von liebevoll, dankbar bis hin zu größtem Unverständnis.

Ja, alleinerziehend ist in erster Linie nicht schön, ABER was bleibt einem denn anderes übrig, als das Beste daraus zu machen? Ich kann mich natürlich jeden Tag in den Nachteilen wälzen und negative Energie fühlen und damit auch an meine Kinder verbreiten ODER aber ich mache mir die Vorteile aus der Situation klar und ziehe mich damit selber aus meinem Loch.

Wisst ihr, ich bin lange Zeit ein Pessimist gewesen und habe nach dem Motto gelebt, dass ich mir das Schlimmste vorgestellt habe und es damit ja nur besser werden kann. Oft bin ich dann aber in der ersten Phase hängen geblieben und habe mich an dem Schlechten fest gebissen. Es fiel mir oft nicht leicht, Vorteile zu erkennen und meistens wollte ich das auch gar nicht. Ich wollte mich selbst bemitleiden und ich wollte, dass andere sehen, wie schlecht es mir geht. In der Hoffnung, dass sie mich glücklich machen.

Und genau da ist das Problem. Ich habe mein Glück von anderen abhängig gemacht und hatte auch gleich einen Schuldigen, wenn es die Menschen um mich herum nicht geschafft haben, mich glücklich zu machen. Dass ich selbst für mich und meine Seele verantwortlich bin, daran habe ich nicht gedacht.

Dieses Umdenken kam tatsächlich erst mit den Kindern. Und auch wenn ich es nicht ausnahmslos immer schaffe, versuche ich doch meist das Beste daraus zu machen.

Alleinerziehend heißt für mich momentan: Freiheit. Vor allem zeitliche Freiheit, da wir es tatsächlich geschafft haben, eine schöne Regelmäßigkeit in der Kinderbetreuung zu schaffen. Das gelingt nicht allen getrennten Eltern, ich weiß. Da kann ich euch aber sehr gut die Mediation und Begleitung einer Rechtsanwältin/eines Rechtsanwaltes empfehlen. Thema dort ist, die Wünsche der getrennten Eltern zusammenzutragen, eine gute Lösung für beide zu entwickeln und dies dann in einem Mediationsvertrag festzuhalten, der vor Gericht auch bestand hat. So geht man den Weg der Trennung gemeinsam und muss nur einen Rechtsanwalt bezahlen. Uns hat das ein gutes Gefühl gegeben, da wir wirklich nicht gegeneinander kämpfen wollten. Das passiert aber unweigerlich, wenn sich jeder einen Rechtsanwalt nimmt.

Es ist ein hartes Stück Arbeit, ja, aber es lohnt sich. Es sorgt für entspannte Kinder, für friedliche Eltern und für eine angenehme Zeit nach der Trennung. Denn wenn man Kinder hat, bleibt man auf einige Zeit noch so stark verbunden, dass man zumindest miteinander reden sollte. Das war mir immer schon wichtig, da es bei meinen Eltern nicht funktioniert hat. Da gab es einen Rosenkrieg und jahrelange Funkstille. Das hat mich als einziges Kind der beiden sehr getroffen und traurig gemacht. Immerhin haben sie sich mal geliebt und es gab gute Gründe, warum sie mal zusammen waren.

Klar gibt es immer auch gute Gründe, warum man sich trennt und viele Menschen sind dann zurecht verletzt. Enttäuschung macht der Wut und manchmal auch dem Hass Platz. ABER: wie weit und wie tief, das haben wir selbst in der Hand.

Ich wurde auch verletzt, enttäuscht und aus meiner Sicht gedemütigt. Ich habe tagelang auf dem Boden gelegen und habe geweint, weil er entschieden hat, dass meine Leben, so wie ich es bisher gelebt habe, vorbei ist. Eine Welt brach für mich zusammen und mir tat es vor allem für die Kinder so unendlich leid. Und trotzdem wusste ich immer, dass ich es schaffen werde. Nicht, weil ich mich als besonders stark und kraftvoll empfinde, nein. Einfach weil ich mich selbst heilen wollte und eben auch konnte. Das kann jeder!

Das war es, was mir Kraft gegeben hat. Ich habe mir gedanklich eine Liste gemacht und alle Vorteile der Situation notiert. Immer und immer wieder. Über die Nachteile habe ich gar nicht erst nachgedacht und habe mich nur auf das Positive fokussiert. So habe ich uns eben 2 Katzen gekauft, die er vorher nie wollte. Ich konnte das Haus so einrichten, wie ich es wollte. Ich kann hier schalten und walten, wie ich das möchte. Ich habe jedes zweite Wochenende kinderfrei, weil er da auch einfach mitzieht und mir keine Steine in den Weg liegt. Im Gegenteil. Er unterstützt mich weiterhin so gut er kann. Unterhaltszahlungen haben wir mündlich vereinbart. Einfach so, dass wir alle leben können. Ich würde nie mehr erstreiten, weil ich weiß, dass es ihm dann finanziell nicht mehr gut gehen würde und weil eben dann diese gute Basis, die wir haben, einfach weg wäre. Wenn ich seine finanzielle Hilfe bräuchte, wäre er auch da, das weiß ich. Und so bin ich jeden Tag dankbar für das, was ich hier habe.

Eine friedliche Trennung. Ein friedliches Leben. Ja, ich bin alleinerziehend und das zieht mir schon oft meine Nerven lang, aber es ist eben beruhigend, dass ich mich darauf verlassen kann, dass alles gut ist. Diese Sicherheit tut mir gut.

Ich wünsche allen alleinerziehenden Mamas und Papas da draußen, dass sie es schaffen, ihr Ego klein zu halten und im Sinne der Kinder so zu handeln, dass Liebe und Frieden im Vordergrund stehen. Ihr tut euch und eurem Wohlgefühl einen riesen Gefallen.

Habt ihr noch mehr Fragen oder Gedanken zu dem Thema, dann schreibt gern in die Kommentare. Ich freue mich auf einen wertvollen Austausch.

Eure Saskia

Wie schüchterne Kinder „Danke“ sagen

Henri ist wohl das schüchternste Kind, welches ich kenne. Wie oft bin ich da schon im Alltag mit anderen Menschen aneinander geraten. Diese meinen, jedes Kind MUSS „Bitte“ und „Danke“ sagen. Und mit genau dieser verkopften Grundeinstellung verlernen sie, auf andere Zeichen bei schüchternen Kindern zu achten, die eben ganz genauso das gleiche meinen, es eben nur nicht aussprechen können.

Denn oft sind es nur ganz kurze Blicke, bevor sie sich in die Geborgenheit bei Mama einkuscheln und dem wartenden Gegenüber nicht stand halten können. Oft ist es ein kleines Nicken, wenn ich Henri frage, ob er danke sagen möchte. Und dennoch schaut er nicht auf, sondern vergräbt sich tief an meiner Schulter und hofft, dass diese für ihn unangenehme Situation vorüber geht.

Ja, die Verkopften unter uns würden nun wieder behaupten, dass diese Kinder es ja nie lernen, wenn wir ihnen immer helfen und für sie das „Danke“ laut aussprechen.

Dagegen wehre ich mich deutlich. Ich wehre mich deshalb, weil ich die Zeichen meines Kindes lesen kann, sein Danke übersetze und es eigentlich nur dechiffriert weitergebe. Ich bin in dem Moment ja nur das Übersetzungsprogramm. Und damit kann ich ganz wunderbar leben, weil ich meinem Kind vertraue und spüre, wie Henri über sich selbst hinaus wächst, je älter er wird.

Seit geraumer Zeit geht er ja nun auch in den Kindergarten, auch wenn die Eingewöhnung alles andere als musterhaft war. Corona und Sommerferien sei dank. Und dennoch macht er große Fortschritte und entwickelt Vertrauen. Lernt kennen. Vor allem die Menschen. Denn genau das ist sein Problem. Er lehnt fremde Menschen ab, weil er nicht gelernt hat, ihnen vertrauen zu können. Er ist sehr sensibel und empfängt feinste Schwingungen. Mag sein, dass er sie nicht deuten kann, aber meines Erachtens nach reagiert er dennoch instinktiv richtig. Er wendet sich ab.

Es ist mir sogar angenehmer, als mit Hanna damals, die schon mit einem Jahr mit jedem aus ihrem MaxiCosi heraus geflirtet hat 🙂

Ein schüchternes Kind ist da schon eine ganz andere Herausforderung. Vor allem eben dann, wenn es auf besagte verkopfte Fremde trifft. Die schenken ihm meist kein Verständnis und kanzeln das Kind als unerzogen ab. Aber auch an dieser Stelle kann ich als Mama viel tun.

Ich spreche dann freundlich mit den Menschen, lächle sie an und „übersetze“ Henris Danke. Meist reicht das, wenn ich erwähne, dass er „Danke“ meint. Ob diese Menschen dies akzeptieren, ist mir in dem Moment erst einmal egal, auch wenn das vielleicht nicht sehr sozial wirken mag. Aber die Sozialisation meines Kindes ist mir in dem Falle wichtiger. Und er macht es eben auf seine Weise. Ja, vielleicht langsamer als alle anderen und möglicherweise auch auf einem anderen Weg, aber ich bleibe ganz in meiner Mitte und vertraue darauf, dass er sich dies genauso annimmt und von mir lernt, wie ich freundlich auch mit fremden Menschen sprechen kann.

Natürlich erkläre ich ihm später zu Hause oder auch schon im Auto, dass es voll okay ist, der Dame beim Bäcker „Danke“ zu sagen, wenn sie ihm eine Breze schenkt. Aber auch da bin ich vorsichtig, denn ich möchte eigentlich nicht jedes Mal vermitteln, dass er womöglich etwas falsch gemacht hat. Denn das tue ich ja unweigerlich, wenn ich ihn berichtige.

Am Ende können wir einfach nur Vorbild sein und immer und immer wieder unsere Kinder in solche Situationen mitnehmen, sie ein Gespür dafür entwickeln lassen, dass es schön ist „Danke“ zu sagen und dass sich der andere darüber freut. Freude verbreiten ist doch das schönste, was es gibt.

Und wir können lernen, die kleinen Zeichen unserer Kinder wahrzunehmen und diese zu übersetzen. Das ist immerhin mehr, als es einfach nur abzukanzeln, dass das Kind vielleicht gar nicht danke sagen will. Eventuell haben wir ja nur das Zeichen übersehen.

Also traut euch, ganz bei euren Kindern zu bleiben, sie zu unterstützen und nicht schlecht über sie zu reden. Das macht so viel aus und schenkt ihnen genau das Vertrauen, was sie als schüchterner Mensch brauchen. Schüchtern sein ist okay. Jeder darf sein, wie er ist und wir als Mamas spüren doch eh in unserem Herzen, dass unsere schüchternen Kinder dankbar sind, oder?

Geschwister im Kindergarten trennen

Vor gut einem Jahr habe ich schon einmal über dieses Thema geschrieben. Hier könnt ihr nachlesen, welche Gedanken ich zum Thema „Zwillinge im Kindergarten trennen“ hatte.

Nur heute soll es im Allgemeinen um Geschwister gehen. Ist es sinnvoll oder nicht? Damit möchte ich mich aus meiner Sicht als 3fach-Mama beschäftigen.

Aktuelle Situation

Die aktuelle Situation ist folgende: In unserem Kindergarten gibt es zwei Gruppen, in die Hanna und Luis aufgeteilt wurden, was beide sehr gut verkraftet haben. Der Kindergarten arbeitet nach einem teiloffenen Konzept. Das bedeutet, dass sich Hanna und Luis im Kindergartenalltag besuchen dürfen, wenn sie sich brauchen. Das finde ich sehr schön, weil sie sich somit einfach auch ein Stück weit haben, obwohl jeder in seiner Gruppe den Anschluss gefunden hat.

Nun wurde Henri ebenfalls in diesem Kindergarten eingewöhnt. Er geht in Hannas Gruppe, was sehr gut läuft. Allerdings ist es so, dass Henri sehr schüchtern ist und im Kindergarten kaum spricht.

Das erste Mal wurde Henri vor Corona eine Woche lang eingewöhnt. Dann waren wir 3 Monate im Lockdown zu Hause. Anschließend war er 6 Wochen im Kindergarten, dann folgten 3 Wochen Sommerferienschließung des Kindergartens und nun geht er seit Anfang September wieder.

Das Vorhaben des Kindergartens

Nun kommt folgendes Vorhaben: Henri soll nun in eine 3. Gruppe, die außerhalb in einem Container entstanden ist, eingewöhnt werden. Das wäre eigentlich genau genommen die 4. Eingewöhnung innerhalb eines halben Jahres.

Meine Sicht als Mama

Meine Sicht als Mama zu dieser Situation: Ich werde dieses Vorhaben der Erzieherinnen unterbinden. Warum? Weil ich einen erneuten Wechsel Henri nicht zumuten möchte. Zum einen wechselt er komplett die Räumlichkeiten und zum anderen geht seine Bezugsbetreuerin nicht mit in die neue Gruppe.

Klar, jetzt könnte man sagen, dass es ihm gut tun würde, weil er autark von seinen Geschwistern ist. Ja, würde ich auch denken, wenn er nicht ein solch sensibles Kind wäre. Ein selbstbewusstes Kind würde die Situation vermutlich locker rocken. Ich denke aber, dass dieser erneute Wechsel Henri mehr schaden als gut tun würde.

Solche Entscheidungen sind sicherlich nicht immer leicht und bedürfen den Betrachtungswinkel aus verschiedenen Richtungen. So steht demnächst ein Gespräch mit den Erzieherinnen an, die mir ihre Gründe für dieses Vorhaben erläutern sollen.

Bei Hanna und Luis habe ich gesehen, dass es gut gegangen ist. Ja, aber die Bedingungen sind ganz andere. Hanna und Luis sind in einem Haus und sie hatten nicht eine solche Eingewöhnungs-Odyssee hinter sich. Noch dazu sind sie von ihren Charakteren ganz anders.

Warum ist es mir so wichtig, dass Henri bei Hanna bleibt?

Mir geht es gar nicht unbedingt darum, dass Henri bei seiner Schwester in der Gruppe bleibt. Mir gehts viel mehr darum, dass ich ihm nicht noch einen Wechsel zumuten möchte. Seine Bezugserzieherin ist dann nicht mehr da, diese braucht er aber immer noch jeden Morgen. Sie holt ihn von der Gruppenraumtür ab und nimmt ihn kurz in den Arm. Dies ist ein liebgewonnenes Ritual für ihn. Allein daran sieht man, dass er noch nicht zu 100% im Kindergarten angekommen ist bzw er sich noch etwas schwer tut mit dem täglichen Start. Ich vermute, dass es ihm noch schwerer fallen wird, wenn er dann tagsüber in diese andere Gruppe wechseln muss.

Darüber hinaus bereitet mir es Sorge, dass er eben so sensibel und schüchtern ist und diese neue Erzieherin nicht wirklich an sich heran lässt. Der Wechsel würde einer kompletten Eingewöhnung gleichen und das ist meines Erachtens nach nicht fair Henri gegenüber.

Das ist jetzt eine reine Darstellung einer Mama, die behaupten kann, dass sie ihre Kinder sehr gut kennt und einschätzen kann, welche Auswirkungen diese „Umsetzung“ auf ihr jüngstes Kind haben wird. Ich bin gespannt, welche schlüssige Gründe der Kindergarten anbringt, dass es in dieser Situation dem Kind mehr Nutzen als Schaden bringt. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Mich würde natürlich sehr freuen, wenn ihr eure Gedanken hier unten in die Kommentare schreibt und mir damit Impulse gebt.

Liebe Sonnengrüße

Eure Saskia

Nach der Trennung friedvoll bleiben

Eine Trennung ist ein heftiges Erlebnis im Leben eines Kindes, keine Frage. Allerdings muss es nicht immer traumatisierend sein. Vor allem dann nicht, wenn beide Elternteile es schaffen, ihr Ego liebevoll zurück zu halten. Das kann gelingen, tut es leider aber in den meisten Fällen nicht.

Wenn sich beide gleichermaßen dafür entscheiden, sich zu trennen oder wenn der Verlassene es schafft, die Situation zu akzeptieren, hat die AfterFamilyKonstellation ganz gute Chancen. Meist jedoch kommt die/der Verlassene in einen Strudel aus Verletztheit, Wut, Egozentrik und unendlicher Trauer über das Ende der Beziehung. Wenn die/der Verlassene dies dann auch noch auf die Kinder überträgt, ist ein liebevolles Auseinandergleiten der Kernfamilie kaum mehr möglich.

Das zeigt, wie wichtig es ist, eine friedvolle Trennung zu forcieren. Denn das ist nicht das Ende, wenn Kinder im Spiel sind.

Die nächste Phase ist das Alltagsleben der Beteiligten. Ein völlig neuer Ablauf für die Elternteile und die Kinder, da Betreuungsphasen geklärt und gelebt werden müssen. Wichtige Entscheidungen, welches Modell man leben möchte. Und eben dann auch die Umsetzung dieser Entscheidungen, die von allen ein enormes Durchhaltevermögen abverlangt, weil es im Alltag eben oft nicht so einfach ist. Für keinen.

Wenn es allerdings die Elternteile geschafft haben, sich friedvoll zu trennen, werden Absprachen und gegenseitige Hilfe viel geschmeidiger möglich sein.

Irgendwann kommt dann ein entscheidender Punkt, an dem das eigene Ego nochmal stark gefordert ist. Nämlich dann, wenn auf der einen oder anderen Seite ein/e neue/r Partner/in ins Leben tritt. Auch da ist eine entspannte Ausgangslage eine wunderbare Basis, um diese neuen Menschen vertrauensvoll in dieses AfterFamilyUmfeld einzuführen. Es bedarf Absprachen der Elternteile, wie und wann die/der neue Partner/in die gemeinsamen Kinder kennenlernt. Vielleicht ist es hilfreich, dass sich zunächst die Erwachsenen kennenlernen, damit man ein Gefühl dafür entwickeln kann, mit wem die Kinder nun ab und an zusammen sind und ihre Zeit verbringen. Das ist entscheidend für Vertrauen und ein gutes Gefühl. Vielleicht hat man ja auch Bedenken, Fragen oder gar „Bedingungen“. Das alles gehört in ein vertrauensvolles Gespräch zwischen den Elternteilen. Alles darf offen kommuniziert werden. Allein schon deshalb, um ungute Gefühle von den Kindern fernzuhalten.

Denn das Ego spielt und oft ein Schnippchen, indem es uns glauben machen möchte, dass wir uns beweisen müssten vor der/m neuen Partner/in. Nicht selten artet dies in einer Art Wettkampf aus, unter dem allerdings auch die Kinder leiden, nicht nur man selbst. Deshalb ist es so grundlegend, sich selbst klar bewusst zu machen, dass die/der neue Partner/in kein/e Ersatzmama oder Ersatzpapa ist. Auch das sollte vorher zwischen den Elternteilen und auch mit den Kindern kommuniziert werden, damit sich niemand weder in eine ungute Rolle gedrängt fühlt oder diese Rolle für sich behaupten möchte. All dies wären Störfelder für die AfterFamily.

Und dann kommt diese Zeit, in der man allein daheim sitzt und die Kinder beim anderen Elternteil und dessen neuer/m Partner/in sind. Wie geht man nun damit um? Es gibt sicherlich viele verschiedene Herangehensweisen. Diese sind so individuell, wie man selbst auch. Die innere Haltung spielt dabei eine große Rolle. Man kann sich freuen für die Kinder, dass ein neuer Mensch ihr Leben bereichert und neue Impulse bringt. Man kann ihnen eine gute Zeit wünschen und die eigene Zeit für sich genießen, etwas schönes unternehmen, Kraft tanken, um dann ausgeglichener zu sein, wenn die Kinder zurück kommen. Man kann sie ehrlich neugierig und offen fragen, was sie erlebt haben. Auch da darf man das eigene Ego gern liebevoll in die Arme nehmen und ihm sagen, dass alles gut ist.

Ist die ganze Situation allerdings nicht so romantisch, wie in meinem Beispiel dargestellt, dann sollte man dringend darüber nachdenken, sich beraten zu lassen. Allein schon zum Wohle der Kinder. Gespräche zwischen den Elternteilen sind dabei auch die Basis, wenn es möglich ist. Wenn nicht, sollte man Hilfe von Außen annehmen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Mediatoren, Therapeuten, Beratungsstellen.

Von Herzen wünsche ich euch, dass ihr euren Weg gemeinsam findet, auch wenn ihr getrennt seid, denn eine Trennung ist meist nicht für immer.

Gern könnt ihr hier auch über meine friedvolle Trennung nachlesen.

Sonnengruß

Eure Saskia

Ein Update – knapp eineinhalb Jahre nach der Trennung

Wie gehts uns? Was hat sich in der Zwischenzeit verändert? Wie ist das Leben? Wie sehen unsere Routinen aus? Das sind Fragen, die einige von euch immer wieder interessieren und ich werde mir heute mal die Zeit nehmen, euch davon zu erzählen, wie es inzwischen hier bei uns so aussieht und was sich seit der Trennung alles verändert hat.

Wie gehts uns?

Ganz vorab: uns geht es super. Ja, auch als alleinerziehende Mama kann ich das sagen, weil ich unser Leben hier genau so gestalte. So, dass es uns nur gut gehen kann. Wir sind alle vier sehr entspannt und genießen unsere Zeit. Es gibt keine regelmäßigen Termine, die uns stressen. Ich denke, das kommt mit der Schule dann von ganz alleine, dass die Kids gewissen Hobbies nachgehen. Bis jetzt haben sie da noch kein Interesse geäußert, was ich sehr entspannt finde.

Wir wuseln uns natürlich durch ganz normale Geschwisterstreits, Trotzphasen und allgemeine Unstimmigkeiten im Familienleben. Und dennoch kann ich sagen, dass dies hier alles sehr moderat ist. Ich würde sagen, wir führen ein schönes WG-Leben.

Was hat sich in der Zwischenzeit verändert? Wie ist das Leben?

Viel verändert hat sich eigentlich nicht. Es haben sich gute und wertvolle Routinen gefunden, welches uns das Leben als Eltern leichter macht. So gibt es feste Papazeiten. Jedes zweite Wochenende sind die drei bei ihrem Papa und jeden Mittwoch über Nacht. Das schenkt mir auch wichtige Freiheiten, um vom sonstigen „Kinderwahnsinn“ etwas durchschnaufen zu können. Das brauche ich nämlich dringend, auch wenn ich das alles sehr gern und mit viel Ruhe mache. Ich genieße diese Alleine-Zeit aber auch sehr, weil ich diese als notwendig empfinde. Außerhalb der Papazeit bin ich ja rund um die Uhr alleine für die Kids da und habe niemanden, der mich im Alltag unterstützt. Das finde ich grundsätzlich voll in Ordnung, weil das gemeinsame Leben hier relativ gut klappt und trotzdem ist es halt so, dass alle drei noch relativ klein sind.

Allerdings wird es ab Oktober noch mal aufregend anders, wenn ich dann wieder Teilzeit ins Arbeitsleben eintauche. Darauf freue ich mich sehr, weil ich tatsächlich den Einsatzort so bekommen habe, wie ich es mir gewünscht habe. Welch ein riesen Glück. Ich bin dann drei Tage in der Woche arbeiten und meinen Kiddies sehr nah. Kann innerhalb von 10 Minuten mit dem Fahrrad am Kindergarten sein. Das entspannt mich ungemein. Wäre ich in München geblieben, hätte mich das zum einen sehr viel Fahrtzeit und auch viele Fahrtkosten bedeutet. Täglich zwei Stunden pendeln wäre unmöglich gewesen. Umso schöner ist es nun und dafür bin ich sehr dankbar.

Wie sehen unsere Routinen aus?

Derzeit ist es noch ein sehr ruhiges Leben. Wir stehen jeden Tag gegen 6:30 Uhr auf, ziehen uns im Badezimmer an und frühstücken dann in aller Ruhe. Während die Kinder dann meistens noch eine zeitlang spielen, bereite ich Brotzeit und Getränke für den Kindergarten zu. Dann gehen wir gegen 7:45 Uhr aus dem Haus in Richtung Kindergarten. Wenn dann alle Kids verabschiedet und in ihren Gruppen sind, gehe ich meistens eine Runde laufen, um mich auszupowern. Danach ist Haushalt/Einkaufen/Termine angesagt. So ein Haus braucht ja auch seine Pflege und jetzt gen Herbst auch der Garten. Ich liebe es, wenn es nachher dann alles schön und ordentlich ist.

Gegen 14:30 Uhr hole ich die Kinder dann wieder vom Kindergarten ab und wir chillen den Nachmittag am See, wenn es schön ist oder spielen zu Hause oder bei Freunden.

Am Abend hat auch bei uns alles seinen festen Ablauf. Wir essen zu Abend, wobei die Kids da gern am Sofa ihre Brotzeit naschen, was völlig okay für mich ist. Sie schauen nebenbei etwas TV und ich decke den Frühstückstisch. Halb acht gehen wir dann ins Bad und wenn diese Zahnputzroutine mit Schlafanzug, Toilette, etc geschafft ist, schaffe ich alle in ihr Bett. Einen nach dem anderen. Erst Luis, dann Hanna und zum Schluss Henri, weil dieser noch meine Einschlafbegleitung braucht. Allerdings gehe ich danach meist noch zu Luis kuscheln, weil auch er es genießt, wenn ich ihn in den Schlaf kuschel. Nur Hanna mag gern allein einschlafen und ist dies auch meist schon nach fünf Minuten.

Danach beginnt mein Abend, an dem ich manchmal noch etwas Sport mache, etwas lese, eine Runde räuchere oder auch einfach nur ins Bett gehe und dort die Ruhe und Stille genieße.

Also alles in allem kann man sagen, ist hier alles sehr ausgeglichen, in der Mitte und entspannt, was mir das Alleinerziehendsein sehr leicht macht, auch wenn es echt eine Herausforderung an mich als Mensch ist. Ich habe meine Wege gefunden, wie ich in Balance bleibe, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert. Ihr könnt gern hier nachlesen, wenn euch dieses Thema interessiert.

Herzliche Grüße

Eure Saskia

Hier nochmal zum Nachlesen: Meine friedvolle Trennung

Wenn wir die Füße ganz unten stimulieren, können wir den Kopf ganz oben ausschalten

Schon oft habe ich im Zusammenhang mit meinen Barfußschuhen darüber geschrieben, wie wichtig es ist, dass die Fußreflexzonen etwas zu tun haben. Das geht nicht nur, in dem wir barfuß laufen, sondern auch mit vielen anderen Ideen.

Es ist tatsächlich so, dass wenn wir unsere Füße intensiver stimulieren, wie sonst, dass es unseren Kopf ein Stück freier macht. Das können wir natürlich auf ganz clevere Weise für uns und auch für unsere Kinder in jedem Alter nutzen.

Gerade in den Zeiten von Corona, wo viele mit ihren Kindern daheim sind, brauchen diese neue Reize. Das kann barfuß laufen sein oder auch Fußbäder und Fußmassagen bis hin zu komplexerem Fühlen mit den Füßen.

(Werbung) Vor kurzem habe ich die Taktilen Scheiben bei edumero entdeckt. Das sind zehn große und zehn kleine Scheiben, die man drinnen und draußen benutzen kann. Jede Scheibe hat ein eigenes Relief, welches mit den Füßen ertastet werden kann. Die kleinen Scheiben kann man wunderbar in die Hand nehmen und als Art Memory verwenden. Da wären wir auch schon bei den Spielideen, die wir mit den Taktilen Scheiben hatten.

1. Übung 1: legt euch einen Parcours und lauft barfuß (mit geschlossenen Augen für die Fortgeschrittenen) über die Scheiben und spürt jedes einzelne Relief mit den Füßen.

2. Übung 2: nehmt euch zusätzlich zur Übung 1 eine kleine Scheibe in die Hand, ertastet das Relief und sucht dieses nun mit den Füßen im Parcours.

3. Übung 3: legt die kleinen Scheiben ebenfalls auf den Boden und versucht nun mit verbunden Augen die zusammengehörigen Scheiben zu finden.

4. Übung 4: für mehrere Kinder: verteilt nur 5 große Scheiben im Garten. Nun dürfen die Kids Fanger spielen. Auf den Scheiben ist jeweils ein ZickBereich.

5. Übung 5: die kleinen Scheiben lassen sich hervorragend durch die Wohnung kullern. Wer am weitesten gekullert hat, der gewinnt.

Mit den Taktilen Scheiben kann man auch an kälteren Tagen, an dem die Kinder Schuhe anhaben, einen Pfad im Garten legen, über den die Kids dann drüber laufen oder hüpfen, ohne daneben zu treten. Vielleicht auch auf Zeit. Kombinieren kann man dabei die Taktilen Scheiben auch hervorragend mit den Flusssteinen, die ihr ebenso bei edumero erhaltet.

Die Scheiben sind abwaschbar und lassen sich somit hervorragend von Erde und Schmutz befreien.

Gleichzeitig zu den Fußreflexzonen, die durch die unterschiedlichen Reliefs stimuliert werden, trainieren die Kids ihre Balance und ihre innere Mitte. So könnt ihr auch wunderschöne Ruhe-Übungen machen:

6. Übung 6: das Kind stellt sich barfuß mit beiden Beinen auf die hellgrüne Scheibe (diese reizt mit ihren Noppen die Füße besonders gut). Je nach Alter kann das Kind nun versuchen, auf einem Bein zu stehen. Vielleicht auch auf Zeit, dann ist das andere Bein dran. Für Fortgeschrittene: mit verbundenen Augen.

7. Übung 7: ihr denkt euch für den Pfad eine Geschichte aus, die zu den Reliefs passt. Dann geht das Kind jede einzelne Scheibe ab, während ihr Punkt für Punkt (Scheibe für Scheibe) passend die Geschichte erzählt. Somit kommen mehrere Sinne zum Einsatz: Fühlen und Hören. Und wenn ihr ältere Kinder habt, können sie euch die Geschichte auf dem Rückweg des Pfades rückwärts erzählen. Da wird das Erinnerungsvermögen sehr gut geschult.

Wie ihr sehr gibt es unglaublich viele Ideen zu den Taktilen Scheiben und ich bin mir sicher, dass euch und euren Kids noch viele mehr einfallen. Hin und wieder werde ich über den Sommer verteilt noch mehr Spielideen und Übungen auf Instagram zeigen. Dazu könnt ihr mir dort unter erdenkinder_ gerne folgen.

Die Taktilen Scheiben sind übrigens ein sehr sinnvolles und wertvolles Ostergeschenk und sehen so bunt im Garten neben den Osternestern und Ostereiern ganz wundervoll aus. Außerdem bietet edumero noch ganz viele andere wunderbare Ideen rund um das Thema „einfach spielend lernen“.

Unser Kuschelecken-DIY

Was ist das Essenziellste in unserem Kinderzimmer? Genau. Die Kuschelecke. Schon seit Hanna und Luis auf der Welt sind gibt es bei uns eine und auch hier im neuen Haus habe ich wieder eine Kuschelecke eingerichtet. Etwas kleiner, weil es ja nun mehr Zimmer, dafür allerdings weniger Platz gibt. Weniger kuschelig ist es jedoch keinenfalls.

Schritt für Schritt

So muss unsere Kuschelecke folgende Komponenten haben, damit wir es so richtig kuschelig finden:

1: Ein Schaffell. Zum einen ist dies kuschelig und wärmend, zum anderen ist der Duft nach dem Wollfell entspannend und erdend.

2: Eine Lichterkette, die sanft leuchtet und somit ein Wohlgefühl schafft. Weit weg vom Herbst- und Wintergrau draußen.

3: Ein kuscheliges Kissen, welches die Kinder knautschen können und somit gemütlich liegen.

4: Große Spieltücher in verschiedenen Farben, die an die Seiten oder als Himmel gespannt werden und somit die Gemütlichkeit abrunden. So lassen sich die Farben und deren Wirkweise auch immer wieder wechseln (dazu später mehr).

5: Ein schönes Buch für eine Fantasiereise oder ein spannendes Hörspiel, um vom turbulenten Alltag abschalten zu können.

Los gehts

Als erstes habe ich mir kleine Haken besorgt und diese unter unserer Anhöhe ins Holz gedreht. Daran befestige ich später die Lichterkette und die Tücher. Diese kann man auch wunderbar in eine Wand drehen.

Das Schaffell habe ich dann über ein anders Kissen ausgebreitet, damit die Kinder leicht erhöht liegen können. Das kleine Kuschelkissen lege ich einfach dazu. Das kann sich jedes Kind nehmen, wie es mag.

Wirkung der Farben

Die Tücher wähle ich meist in sehr erdigen, warmen Farben. Heute habe ich mich für ein warmgelbes Tuch entschieden. Dieses wirkt antidepressiv, wärmend und stimmungsfördernd. Aber auch orange und braun nehme ich sehr gern her. Dabei wirkt orange inspirierend und kräftigend und braun beruhigend und stabilisierend.

Lichterketten gibt es in verschiedenen Farben oder auch ganz zurückhaltend in nur einer Farbe. Ich habe mich bewusst für die bunte Lichterkette entschieden, weil ich es schön finde, wenn sie sich etwas abhebt. Außerdem verschwimmen die Farben dann eh etwas, wenn man sie anschaltet und es drumherum dunkel ist.

Im Alltag

Wenn wir in unserer Kuschelecke kuscheln, lese ich gern eine Fantasiereise vor, damit die Kinder ein bisschen in sich gehen und neue Kraft für den restlichen Tag tanken, wenn sie die ganzen Vormittag im Kindergarten gespielt haben. Aber auch spannende Hörbücher fesseln die Gedanken der Kinder und lenken sie oft von Geschwisterstreit und kleinen Frustrationen ab.

Wo gibt’s die Utensilien?

Wenn ihr für eure Kinder auch eine Kuschelecke einrichten wollt, dann kann ich euch folgende Utensilien dafür empfehlen:

1. Schaffell

2. FeenLichterkette

3. Kissen mit Kuschelbezug

4. Buch: Nalumas Fantasiereisen

5. Spieltücher

(Werbung: alle Artikel erhaltet ihr bei Hans Natur)

Es kann so einfach sein, eine Wohlfühloase zu schaffen und die Kinderaugen strahlen zu lassen. Meist sind solche gemütlichen Orte für Nähe und Gemeinsamkeit wertvoller als jedes Geschenk zum spielen. Vielleicht ist es ja sogar eine tolle Geschenkidee.

Die Monster in der Nacht

So langsam wird das Thema auch eines von uns. Lange Zeit ging es gut, aber seitdem Hanna alleine schläft, kommen nachts immer mehr Monster zu Besuch. Monster, die wir so gar nicht gebrauchen können. Da ist alles dabei. Grizzlybären, Schlangen, Wölfe, Feuerameisen, Räuber, Verbrecher, Außerirdische und viele mehr, die Hanna das Einschlafen erschweren.

Luis fürchtet sich vor allem tagsüber, wenn er alleine irgendwo im Haus hingehen soll. Er braucht stets Begleitung.

Unsere täglichen Rituale helfen den Kindern nur bedingt. Solange sie allerdings alle bei mir im großen Bett schlafen, ist alles okay. Das geht nun aber nicht immer, also habe ich mir einiges überlegt, um es Hanna und Luis etwas leichter zu machen. Henri hat da zum Glück noch eine riesengroße Portion Vertrauen.

1. Wir schließen gemeinsam ab. Ganz bewusst öffnen wir die Tür und flüstern in die Nacht, dass nun alle ungebetenen Gäste draußen bleiben dürfen. Dann schließen wir die Haustür zu.

2. Beim Insbettbringen sage ich laut einige Glaubenssätze gemeinsam mit den Kindern: „Ich bin beschützt.“ „Ich bin geborgen.“ „Ich habe einen schönen Traum.“ Auch das stärkt ihr Bewusstsein für die guten Dinge.

3. Wir nutzen das Monsterspray von Aetherio (Werbung), um alles zu schützen. Wir sprühen in jede Ecke und unter jedes Bett. Das vertreibt alle Monster. Gleichzeitig wirkt Lavendel beruhigend und Mandarine schmeichelt süß der Kindernase. Das lässt die Kinder auch nochmal entspannen.

4. Hanna hört zum Einschlafen ein Hörbuch einer starken Mädelsbande. Das findet sie cool und macht sie stark.

5. Zusätzlich hat sie neuerdings ein kleines Nachtlicht, welches ihr hilft, sich zu orientieren. In den letzten 5 Jahren war jegliches Licht eher hinderlich. So schnell ändert sich das.

6. Bei den Jungs bleibe ich zur Einschlafbegleitung dabei, weil mich Henri noch braucht.

7. Tagsüber begleite ich Luis einfach immer überall hin, wenn er wohin möchte, wo er dann alleine wäre. Ich glaube, das ist die entspannteste Variante und diese Phase geht vorbei.

Und bei alle dem ist es mir ein Herzensanliegen, dass ich meine Kinder ernst nehme und nicht auch nur einen Moment beschwichtige oder klein mache. Nein. Sie leben in ihrer Gedankenwelt und ich kann sie nur dann vertrauensvoll stärken, wenn ich sie ehrlich begleite. Nach jeder Vertreibungsaktion frage ich sie, ob es jetzt gut so ist. Wenn nicht, mache ich solange weiter, bis es stimmig für sie ist und sie das Monster nicht mehr sehen.

Auch Fragen beantworte ich offen und ehrlich. Luis fragt mich oft, was ich denn mache, wenn der Räuber zur Tür, zum Fenster, übers Dach oder durchs Schlüsselloch kommt. Daraufhin antworte ich kindlich verständlich mit Hilfe seiner Erinnerung: „Kannst du dich erinnern? Wir haben zugeschlossen.“ „Komm, wir schauen gemeinsam, ob alle Fester zu sind.“ „Der Räuber ist mindestens so groß wie ich und ich passe nicht durchs Schlüsselloch. Schau. (Quetsch, drück, press.)“ 🙂 niemals lächerlich, sondern immer geradlinig mit einer Brise Humor.

Jedes Monster wird hier freundlich ausgeladen oder eben einfach nur mit Monsterspray weggekitzelt. Es werden unsichtbare Schutzwände errichtet und Fenster und Türen verriegelt. Und ganz im Kern, in ihren Herzen, wissen sie, dass ich sie beschütze, was auch immer kommt. Ich geb mein bestes.

Die Positionen im Geschwisterverbund

Schon lange liegt mir ein Thema auf der Seele. Die ganze Zeit habe ich es vor mir her geschoben. Allein deshalb, weil ich mich der Thematik nicht stellen wollte. Weil ich einfach noch nicht bereit war, da hinzuschauen, wo es mir am allermeisten weh tut.

Dafür müsst ihr wissen, dass ich ein gerechtigkeitsliebender Mensch bin und mir Harmonie sehr sehr wichtig im Alltag ist. Ungern lasse ich einen Streit im Raum stehen oder bin nachtragend. Nein, ich versöhne mich gern und ich verzeihe gern.

Nun gut. Nun zum eigentlichen Thema.

Als ich vor mehr als fünf Jahren Mama von Zwillingen wurde, wurde mein Gerechtigkeitssinn auf die Probe gestellt. So schaute ich, dass ich immer allen beiden gleiches zukommen lies. Ich zog sie gleich an, damit niemand kälter oder wärmer als der andere angezogen ist. Ich küsste beide immer gleich viel, damit jeder am Ende des Tages gleich viele Küsschen hatte.

Als sie älter wurden, merkte ich mir, wer wann zu erst dran war, nur allein deshalb, damit der andere beim nächsten Mal der Erste ist.

Irgendwann, als Henri auf die Welt kam, konnte ich nicht mehr. Ich konnte es mir weder merken, noch wollte ich es, weil ich eine Ahnung hatte, dass mich diese Gerechtigkeit begann aufzufressen. Ich konnte es nicht mehr steuern. Alles verschwamm.

Noch dazu kam, dass sich Luis immer durchsetzte. In seiner körperlichen Stärke, in seiner Lautstärke und in seinem Sein. Da hielt ich dagegen, weil ich immer dachte, dass das so nicht sein darf. Es kann doch nicht sein, dass es immer nur nach seinem Willen geht bzw dass er meist der Anführer der Truppe ist.

Und genau DAS war mein Problem. Ich hing in mir fest. Ich konnte dort nicht los lassen. Vielleicht, weil ich immer Einzelkind war und mich genau dieser Thematik nie stellen musste. Ich habe nicht erlebt, wie Geschwister miteinander groß werden. Ich habe diesen Verbund nie gefühlt.

Und dann kam mir diese Frage in den Kopf: Warum um himmels Willen maße ich mir dann an, den Richter der drei zu spielen? Warum?

Und vor allem, wem ist damit geholfen?

Ein einfaches Beispiel: alle drei streiten sich um eine Sache.

Warum gehe ich dort dazwischen und richte darüber, wer diese Sache nun bekommt? Mache ich es für mich, damit endlich Ruhe ist, weil ich das Gestreite nicht aushalten kann. Oder helfe ich damit den Kindern? Aber welchem Kind? Doch nur dem Kind, der die heißgeliebte Sache am Ende in der Hand hält. Und die anderen zwei? Sind doch auch meine Herzenskinder. Warum behandle ICH sie unfair, nur weil ich jetzt glaube, dass der andere diese Sache „verdient“ hat?

Aber wie konnte die Lösung aussehen? Wie komme ich aus dieser Schleife wieder heraus? So sind doch viele Verhaltensweisen auch in mir verankert.

LUIS war es, der mich hinaus führte aus diesem Dilemma. Er stand neben mir und während ich ihn von der Seite anschaute, fragte ich mich, warum ich ihm und auch den anderen zwei nicht einfach vertraute. Warum ich sie nicht einfach über sich selbst entscheiden ließ und sie auf diesem Weg lediglich neutral begleitete. Ich bräuchte doch eigentlich nur beobachten UND die Kinder in ihrer Konstellation akzeptieren. So ist Luis nun mal der Älteste, wenn auch nur mit 9 Minuten Unterschied zu seiner Schwester. Aber immerhin. Er ist der Erstgeborene und er hat auch das Recht dazu. Auch jetzt im Alltag. Also fing ich an, die Kinder auch so gewähren zu lassen. In ihrer Reihenfolge.

Ein zusätzlicher Impuls kam dann vor kurzem von meiner Freundin, die mich bzgl der Tischordnung auf den entscheidenden Gedanken brachte. Wir sitzen falsch. So nahm Luis lange Zeit meine Position ein und ich saß auf der, des jüngsten Kindes. Als ich das dann änderte, fühlte es sich wie von allein völlig richtig an und es war gut so.

Es werden sicherlich noch einige Änderungen in der Zukunft erfolgen, die den Kindern die Chance geben, sich in ihrer Position richtig zu fühlen. So wird auch Luis irgendwann sein eigenes Zimmer bekommen.

Was ich mit dem Text sagen und ausdrücken möchte: kämpft nicht gegen die Reihenfolge eurer Kinder an. Nehmt wahr, wie es ist und gebt dem Raum. So fühlen sich alle in ihrer Position gesehen, die sie sich selbst ausgesucht haben. Nur so könnt ihr zu mehr Frieden in eurer Familie beitragen und nur so kann es ruhiger werden. Jeder hat seine Rolle und jeder darf sie leben. Jeder wird als das gesehen, was er ist.

Die Geburt von Hanna und Luis

Dieser Tag jährt sich nun bald zum 5. Mal und mir ist aufgefallen, dass ich die Geburtsgeschichte der Zwillinge noch nie aufgeschrieben habe. Ich habe in kurzen Auszügen immer mal wieder auf Instagram darüber geschrieben, aber so gänzlich noch nie.

Das möchte ich nun nachholen, weil ich es gern auch für mich selbst noch einmal gedanklich Revue passieren lassen möchte.

Es war der 11. Oktober 2014. An diesem Tag war ich nun schon fast 36 Wochen mit den Zwillingen schwanger. Eine Zeit, die ich niemals zu erreichen glaubte, da ich ab der 25. Schwangerschaftswoche immer wieder mit vorzeitigen Wehen und einem verkürzten Gebärmutterhals kämpfte. In der 28. Woche war es dann sogar so arg, dass ich im Krankenhaus bleiben musste. Ab da an lag ich knapp acht Wochen flach, weil auch der Arzt Angst hatte, dass die zwei sich auf den Weg machen würden. Mit 28 Wochen intrauterin viel zu früh. Als der Arzt mich untersucht, konnte er Luis sein Köpfchen durch den viel zu kurzen Gebärmutterhals schon fühlen und ein wenig nach oben drücken. Es war also tatsächlich knapp. Nach einer Nacht mit starken Wehenhemmern und heftigsten Herzrasen im Kreißsaal, wurde es am nächsten Tag etwas besser. Die Dosis wurde reduziert und ich konnte auf Station. Da lag ich nun für vier Wochen und hatte einen Bärenappetit auf eine ganz bestimmte Haselnusscreme – mein Mann kaufte damals den Bioladen leer 😉

Als die vier Wochen vergangen waren und ich mit Wehenhemmern nach Hause konnte, war es Segen und Fluch zugleich für mich, weil ich mich ärztlich betreut doch irgendwie sicherer fühlte. Das Vertrauen in meinen Körper war verschwunden. Nach weiteren zwei Wochen konnte ich den Wehenhemmer endlich absetzen und es passierte – NICHTS. Das war tatsächlich ungewöhnlich, weil jeder ja nun dachte, ab dem Moment würde es los gehen. So konnte ich noch zwei Wochen komplette Ruhe genießen und ließ mich immer schön mit dem Taxi zu meiner Gynäkologin fahren. Mit dem dicken Bauch passte ich nämlich nicht mal mehr hinters Lenkrad. Es ging einfach nicht 😀

Am besagten 11. Oktober fing ich plötzlich wie fremdgesteuert an zu putzen, Betten zu beziehen und an der Isar entlang zu spazieren. Ich merkte, wie ich mich bewegen wollte und hatte einen richtigen Energieschub. Als wir dann am Abend nach Hause kamen tropfte Fruchtwasser aus Luis seiner Fruchtblase. Ich duschte noch in aller Ruhe und dann fuhren wir ins Krankenhaus. Ganz ruhig, weil tatsächlich kaum Wehen zu spüren waren. Die Nacht war auch eher ruhig. Im Kreißsaal schliefen wir auf dem enorm ungemütlichen Kreißbett und wachten am Morgen mit einem gigantischen Sonnenaufgang auf.

12. Oktober 2014

9:30 Uhr

Die Ärzte entschieden sich, mir eine kleine Anschubser-Tablette an den Muttermund zu legen, da nichts mehr weiter ging und sie bei Zwillingen ungern etwas riskieren wollten. Eine Stunde sollte ich zur Überwachung am CTG bleiben. Dieser viertel Tablette hilft wohl erst nach sechs Stunden so ein bisschen und wird dann erneut gelegt.

10:30 Uhr

Eine Ärztin untersucht mich und befreit mich vom CTG. Nun konnte meinem Kaffee in der Cafeteria nichts mehr im Weg stehen. Sekunden bevor ich aufstehen wollte, ging es los. Wehen des Todes. Aber hallo. Was wäre das geworden, hätte ich mich mit einem Café Latte unter Menschen befunden. Ich möchte es mir nicht ausmalen 😉

Es ging also los. Halleluja habe ich geflucht und meinem Mann alles versprochen, würde er mich nur von diesen Schmerzen befreien. Es überrollte mich so völlig, brachte mich aber auch meinen Kindern näher.

11:30 Uhr

Die Hebamme schlug vor, mir eine warme Badewanne einzulassen, damit ich etwas entspannen könne. Gesagt, getan. So hüpfte ich also – nein, ich quälte mich in diese Wanne. Die Wehen ließen mir kaum eine Pause. Als ich mich niedersetzte, verließ sie den Raum. Ein Fehler 🙂 die erste Presswehe schlug ein wie ein Hammer. Hallo? Was war bitte das? Mein Mann sprang los und brachte lediglich eine Schülerin mit. Sie erkannte den „Ernst“ der Lage nicht wirklich und schlenderte in einer Seelenruhe los, um meine Hebamme zu holen. Ich hatte inzwischen zwei weitere Presswehen. Die Hebamme kam und meinem Mann fiel nichts besseres ein, als auf Toilette zu gehen. Klar, die Blase sollte leer sein, aber er verwechselte da wohl seine Blase mit meiner 🙂

12:00 Uhr

Ich hievte mich auf das Kreißbett, immer wieder von heftigsten Wehen durchgeschüttelt. Plötzlich strömten verschiedenste Menschen in diesen Raum. Noch eine Hebamme, zwei Kinderkrankenschwestern, eine Assistenzärztin, der Oberarzt, zwei Kinderärztinnen hielten sich hinterm Vorhang bereit für die Geburt der Zwillinge. Mein Mann kam zurück und war etwas perplex und fragte, was los sei. „Ihre Kinder kommen auf die Welt.“ In dem Moment war mir klar: „Ich muss jetzt hier alles geben.“

Völlig nackt vor so vielen Menschen lag ich da. Mich bedeckten einzig die CTG-Gurte. So hing ich auf der linken Seite liegend auf dem Kreißbett und hielt mich an einem Tuch fest, was von der Decke hing. Es war sonnengelb und mein einziger Anker, an dem ich mich festkrallte.

Die Wehen waren so arg, dass sie Luis auf die Welt schoben. Millimeter für Millimeter. Die Hebamme half ihm mit ein bisschen Öl am Köpfchen nach.

12:09 Uhr

Luis ist geboren. Er schrie sogleich und wurde auf meinen Wunsch hin erst mal nicht abgenabelt. Die Kinderkrankenschwester untersuchte ihn auf meiner Brust. Mein Mann trennte dann die Nabelschnur und er durfte unter die Wärmelampe für die nächste Untersuchung.

In der Zwischenzeit ließen die Wehen nach, was für Hanna nicht so gut war. Ein Wehenmittel wurde gespritzt und es dennoch nur schleppend ging weiter.

12:28 Uhr

Die Hebamme öffnete die Fruchtblase und mit einem Schwung kam Hanna aus mir heraus gerutscht. Ich spürte sie kaum, weil Luis seiner Schwester schon so schön den Weg ebnete. Sie war blau, schrie und atmete nicht. Sie wurde sofort abgenabelt und kam direkt zur Kinderärztin unter die Wärmelampe. Dort wurde sie durch sanftes klopfen und durch bewegen des kleinen Körpers dazu animiert, ihren ersten Atemzug zu nehmen. Es war kritisch, doch irgendwann gelang es der Ärztin, sie ins Leben zu holen.

Als kurze Zeit später die Plazenten geboren wurden, wussten wir, was los war. Beide Plazenten waren zusammen gewachsen und auf Grund von Luis‘ seiner Geburt löste sich auch Hannas Plazenta bereits von der Gebärmutterwand. Sie war also kurze Zeit unversorgt. Dank des Wehenmittels und der Öffnung der Fruchtblase, ging ihre Geburt zum Glück so schnell, dass wir ihr helfen konnten.

Dennoch schrie sie nicht, sondern schaute mich nur mit ihren großen Kulleraugen an und war sichtlich verwirrt. Hatte doch ihr Bruder dafür gesorgt, dass sie ihre wohlig warme Umgebung verlassen musste. Die vier Wochen mehr im Mutterleib bis zum errechneten Geburtstermin hätten ihr unglaublich gut getan.

Nun waren sie also da. Meine lange und sehnlichst erwarteten Zwillinge.

Das ist heute fast fünf Jahre her und ich bin unendlich dankbar, dass sie trotz aller Widrigkeiten ganz gesunde, willenstarke Kinder sind, die mich täglich herausfordern und mich mit ihrer Liebe segnen.

Die Geburtsgeschichte von Henri.