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Der Weg zu mehr Körpergefühl Teil 4

Wenn ich mich auf diesem Weg befinde, komme ich nicht drumherum, mich direkt mit meinen Körper zu beschäftigen. Mich nach INNEN zu richten. So habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, genau hinzuschauen. Mein Körper zeigt mir so viel und rückblickend gibt es auch in der Vergangenheit so viele Anzeichen, die mir zeigen, in welch unglaublichem Einklang mein Körper mit meiner Seele steht. Nicht immer ist dies auf angenehme Weise spürbar.

Und gerade heute wieder ist mir ein Wahnsinns Post von der lieben Elena Pfarr entgegen gesprungen und hat mich sofort ummantelt mit seiner Wahrheit. Die Wahrheit für mich. Es geht um den Zusammenhang zwischen Trauma und Hashimoto, Autoimmunerkrankungen im allgemeinen.

Bei mir schlummern gleich zwei davon im Körper und ich habe mich mittlerweile sehr gut mit ihnen arrangiert. Aber der Weg war nicht leicht und ich erkenne auch erst jetzt im Nachhinein die vielen verschiedenen Gründe für die Ausbrüche meines Körpers.

So erkrankte ich „plötzlich“ sieben Wochen nach der Geburt von Hanna und Luis an Colitis Ulcerosa, einer chronisch entzündlichen Dickdarmerkrankung, die mich intensiv ausgelaugt hat. Ich hatte es nicht mehr im Griff. Die Kontrolle völlig verloren.

Viele Jahre hatte ich einen Kinderwunsch, während mein Mann erst einige berufliche Schritte sichern wollte. So wartetet ich nur darauf, dass er fertig wird. Nach einigen Jahren hatte er es dann geschafft und war gelöst. Die schwierige Zeit kam jedoch erst noch, da sich unser Kinderwunsch leider nicht auf natürlichem Wege erfüllen lies. So gingen wir den Weg der künstlichen Befruchtung mit allen seinen vorstellbaren Hürden. Am Ende erfüllte sich der Kinderwunsch doch eher problemlos. Gleich der erste Versuch klappte.

Die Schwangerschaft mit den Zwillingen war alles andere als einfach. So musste ich einige Wochen im Krankenhaus liegen, da ich vorzeitige Wehen hatte. Vier Wochen vor dem errechneten Termin war es dann soweit. Die Zwillinge kamen auf natürlichem Weg auf die Welt. Hanna hatte es anfangs sehr schwer, musste beatmet werden und lag drei Tage auf der Intensivstation. Drei Wochen Krankenhausaufenthalt folgten. Dann konnten wir endlich nach Hause und zur Ruhe kommen, alles wirken lassen. Und dann begann mein Martyrium. Bis zu 30 mal am Tag befand ich mich schmerzvoll im Bad und konnte teilweise nicht mal mehr laufen. Zwei kleine Neugeborene daheim. Es war Wahnsinn. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, wie ich das geschafft habe.

Parallel dazu litt ich an Hashimoto, einer chronischen Schilddrüsenerkrankung, bei dem sich der Körper gegen die Schilddrüse wehrt und diese Zellen abstößt. Ähnlich ist es bei Colitis Ulcerosa. Da stößt der Körper einfach die Dickdarmzellen ab, sodass diese ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können. Die Folge sind häufige, blutige Durchfälle. Bis zu 30 mal am Tag.

Vieles habe ich ausprobiert. Lange Cortison-Phasen, natürliche Heilmittel, Nahrungsmittelumstellung. Nichts hat geholfen. Immer wieder hatte ich Schübe und fand einfach nicht heraus. Mit Henris Schwangerschaft wurde es noch heftiger. Insgesamt hatte ich einen zehn Monate langen Schub, bei dem nichts half. Sogar die Dickdarmentfernung konnte ich mir vorstellen. Ich wollte endlich wieder in Ruhe leben und für meine Kinder da sein.

An irgendeinem Punkt fing ich an, auf meinen Körper zu hören. Ich lies Fleisch und Kohlehydrate konsequent weg und plötzlich wurde es besser. Ich spüre auch heute noch, dass der Verzicht auf einige belastende Nahrungsmittel der goldene Weg ist. Seither brauche ich auch keine Schilddrüsenhormone mehr. Welch Segen. Ich bin frei von Medikamenten.

Seit ich mich aktiv mit mir und meiner Seele beschäftige, rückt sich vieles gerade. Ich schau hin und nicht mehr nur weg. Anzuerkennen, dass die Seele Hilfe braucht, ist ein großer Schritt. Sie braucht Hilfe von einem Selbst.

Ein Trauma zu erkennen, es benennen und bearbeiten zu können erscheint mir als wichtigster Wegbegleiter. So bin ich mir selbst um all das dankbar. Mein Körper hat mir entgegen geschrien, ja fast schon gebrüllt.

Jahrelang litt ich an Migräne vor den Kindern. Eine Phase, in der mein Kinderwunsch nicht erfüllt wurde. Die Hürden, die mit dem Kinderwunsch selbst verbunden waren, ließen den Knäuel an Belastung in mir nur noch größer werden. Als ich dann endlich mit meinen Kindern daheim war, platzte die Bombe.

Ich bin mir sicher, dass die Gründe alle in meiner Kindheit zu finden sind. Um die biografischen Parallelen herauszufinden habe ich mir schon vor vielen Jahren psychotherapeutische Hilfe gesucht. So vieles wird mir klar. Das ist so schön. Und ganz ganz langsam lösen sich diese Blockaden in mir. Es braucht Zeit. Viel Zeit. Aber die ist es wert, wenn ich auf meine Traumen aus der Kindheit schaue, die sich auf wundersame Weise ja auch in unserem Erwachsensein wiederholen. Durch die Begleitung sehe ich dies jedoch klarer und so verfestigt es sich nicht noch mehr.

Beziehungsarbeit mit dem eigenen Ich könnte intensiver nicht sein, wenn man einmal JA dazu sagt. Es löst so vieles und ich bin unendlich dankbar, dass mir mein Körper Hinweise gegeben hat, auch wenn diese schmerzhaft waren. Nur so habe ich richtig hingeschaut.

Jetzt befinde ich mich auf meinem Weg zu mehr Körpergefühl, weil meine Seele überlastet war. Es war ein Fluch und wurde zum Segen.

Schaut mal. Hier könnt ihr auch nochmal meinen Artikel nachlesen, den ich über den Alltag mit Kindern und meiner Autoimmunerkrankung geschrieben habe:

Mein Alltag mit 2,5 jährigen Zwillingen, schwanger und meiner Autoimmunerkrankung

3 Kommentare zu „Der Weg zu mehr Körpergefühl Teil 4

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