Gedanken

Das dritte Rad am Wagen?

Viele fragen mich immer, wie es denn nun so ist, wenn man nach Zwillingen „nur“ ein Baby hat. Ist es einfacher? Ist es schöner?

Tja, was soll ich dazu schreiben? Es ist ANDERS. Und wie? Ja, das versuche ich euch heute mal zu beschreiben.

Schon in der Schwangerschaft spürte ich einen klaren Unterschied: es war ruhiger im Bauch. Kein wildes durcheinander von 8 Gliedmaßen, die mich abwechselnd links und recht spüren ließen, dass mein Bauch voll gefüllt mit Leben ist. Kein Schluckauf links und rechts im Wechsel. Nein. Henri war von Anfang an anders in meinem Bauch. Ruhiger, strich nur leicht mit seinen Füßchen von innen, bewegte sich nur sacht. Schluckauf hatte er aber trotzdem so häufig 🙂

Die Geburt war auch ANDERS. Länger. Schmerzhafter. Und nach einem Baby war dann schluss. Es kam kein zweites raus. Nur eins auf dem Bauch, das war irgendwie eigenartig, aber auch wunderschön. Er konnte einfach liegen bleiben und ichvihn genießen. Ich hatte nicht das Bedürfnis jeden gleich oft anzuschauen, wie es bei den Zwillingen der Fall war. Nein. Ich sah nur den einen Zwerg und das war  toll. Entspannter.

Seltsam war es dann, als Henri auf die Intensivstation musste, denn dann hatte ich nämlich kein zweites Baby im Arm, sondern war nachts ganz allein. Auf der Intensivstation hatte ich im Vergleich dann aber wieder mehr Ruhe, als bei Hanna damals, weil ich eben nicht immer im Hinterkopf hatte, dass da noch ein Baby auf mich wartet. Das hat mich damals verrückt gemacht. So hin und her gerissen zu sein.

Im Alltag ist es natürlich ganz besonders, nur ein Baby auf dem Arm zu haben ohne das schlechte Gewissen, dass ich das zweite ja grad vernachlässigen könnte, wenn ich mit dem einen grad kuschel. Und das genieße ich unendlich. Noch dazu kommt, dass ich Henri stille, Hanna und Luis damals nicht. Das bringt mich ihm auch nochmal näher. Ich verstehe seine Zeichen viel besser, weiß schneller, was er gerade braucht. Bei Hanna und Luis habe ich das nie so richtig gewusst. Jetzt erkenne ich am Quengeln, wenn Henri friert, Hunger hat, müde ist, die Windel voll hat, er kuscheln möchte oder ihm das Drumherum zu laut ist. Erstaunlich, oder?

Und ja, was ich schon spüre, wenn ich diese Zeiten vergleiche, ist, dass ich mich damals bei den Zwillingen viel mehr um Organisation und Struktur gekümmert habe. Gedanklich war ich stets dabei, es beiden immer recht zu machen, beide gleich zu behandeln, gleich viele Küsse am Tag zu verteilen, gleich oft in die Augen zu schauen, gleich häufig ein Lächeln zu schenken.

Jetzt ist das ganz anders. Sie kommen zu mir, wenn sie was brauchen und das ist gut so. Bis ich zu dem Punkt gelangt bin, es fließen zu lassen und es so anzuerkennen, sind bestimmt 2 Jahre vergangen. Vielleicht kam es jetzt auch erst mit Henri, dass ich mir um all das gar keine Gedanken mehr mache. Es einfach gehen zu lassen, ihnen auch einfach die Chance zu lassen, sich die Kuscheleinheiten zu holen. Dadurch haben wir zwar weniger Körperkontakt, aber es ist stimmiger, freier und ungezwungener, wenn ich Hanna und Luis einfach von sich kommen lasse. 

Bei Hebei ist es trotzdem so, dass ich mit ihm schmuse, wann immer er oder ich es mag. Zu ihm habe ich eh eine andere Verbindung. Vielleicht durch das stillen, vielleicht auch durch den etwas freieren Kopf. Aber es ist ANDERS.

Und klar mache ich mir auch oft Gedanken darüber, ob ich Henri unterm Strich näher bin und ihn damit mehr liebe. Aber im nächsten Moment sage ich mir einfach innerlich: „Nein, es ist einfach nur ANDERS“ und verschwende darin keine Zeit mehr.

 

Wie habt ihr es empfunden? Was waren eure Gedanken?

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