Gedanken

Routine mit Zwillingen

Mit Säuglingen abends noch bis 22 Uhr Essen gehen? Den halben Tag im Café sitzen und mit anderen Mamas quatschen? Nach Lust und Laune essen? Nur schlafen, wenn sie müde sind?

Dass das alles nicht zu mir als Mama passt, wurde mir doch schon ganz schnell klar. Und so schlich sich ganz schnell ein Tagesablauf ein, der sich täglich arg ähnelte. Und war es mal anders, fing ich das Zittern an. Nein, so schlimm wars nicht, aber mir war in der Tat eine feste Struktur schon immer wichtig. Für die Kinder und auch für mich. Zumindest auch, weil ich wusste, dass sie 3 Jahre in meiner Obhut sind und ich 3 Jahre lang bestimme, wie der Hase läuft 😉 und natürlich auch im Hinblick auf den Tagesablauf im Kindergarten.

Von Anfang an lief es ganz gut und wir haben uns ganz schnell eingefuchst in unseren Tag. Das hat den Zwillingen enorm geholfen, sich zu finden in ihrem Rhythmus. Sie wussten immer ganz genau, was kommt und was als nächstes folgt. Diese Struktur hat es uns auch immer leicht gemacht, Veränderungen zu meistern. Der Tagesablauf (Frühstück, Mittag, Mittagsschlaf, Abendessen, baden, schlafen) war zeitlich immer fest. Daran gab es nichts zu rütteln. Alles andere wurde variabel drumherum gestaltet – je nach Lust und Laune.

Ob wir vormittags einkaufen fahren, spazieren gehen oder bei Regenwetter einfach nur spielen und Bücher anschauen, hat uns nichts ausgemacht. „Logisch“ denkt ihr euch jetzt sicher. Aber ich finde es schon wichtig, dass es Grundgerüst steht und dass sich Mamas und ihre Kinder dieses zusammen erarbeiten und ich dem Kind nicht einfach irgendwie was aufs Auge drücke, zu was ICH jetzt gerade Lust habe. Eben zum Beispiel spätabendliches Essengehen in ein lautes Restaurant. Das würde ich frühestens jetzt mal tun, aber vorher kam das nie in Frage. Ob ich mich damit einschränke? Nein! Ich bin Mama und habe mich bewusst dafür entschieden. Für mich heißt das auch, meinem Kind die Geborgenheit von daheim zu geben – grad abends. Ausnahmen? Im ersten Lebensjahr keine! Weil ich ganz fest daran glaube, dass es nicht sein muss. Wozu auch? Ich kann das alles jetzt oder in Zukunft noch tun und kann dann meine Kinder damit bereichern, weil sie eben auch jetzt erst anfangen, einen Mehrwert für sich zu haben. Letztens waren wir total schön bei einem Italiener abends essen, bei dem Kinder zuschauen können, wie der Pizzaboden hoch in die Luft fliegt und hinter einer Glasscheibe belegt wird. Toll für Kleinkinder! Für Säuglinge? Naja, ich weiß nicht. So ein kleines Kerlchen weiß ja gar nicht, was drumherum passiert, wenn alles so laut wuselt. Klar gibt es auch welche, die selig schlummern – aber doch vielleicht auch nur vor Erschöpfung 😉

Zur Routine gehört für mich aber nicht nur der zeitliche Ablauf. Dazu gehört viel mehr. Zum Beispiel eben auch, dass ich meinen Kindern nicht zu viele Veränderungen auf einmal zumute. Und dabei geht es schon um die kleinen Dinge, wie das Umstellen des Bettes und vielleicht gleichzeitig der Wechsel von Schlafsack auf Bettdecke. Das mag sich kurios anhören, aber ich achte auf diese Kleinigkeiten und ich hatte bei beiden bisher nie das Gefühl, dass solche Dinge sie überfordern. Viele Babys/Kinder weinen nach Veränderungen viel, sind unausgeglichen oder vielleicht auch trotziger als sonst. Vielleicht war es dann einfach zu viel, was man vom Kind verlangt.

Ich stelle mir immer vor, wie klein diese Wesen doch sind. Hanna und Luis sind jetzt 2,5 Jahre alt. Ein Bruchteil von dem was ich an Erfahrungen in meinem Leben sammeln konnte und Situationen, die ich erlebt habe. Und ganz ganz oft ertappe ich mich auch dabei, dass ich von meinen kleinen Zwergen Dinge erwarte, die für mich ganz selbstverständlich sind, ja, die für mich schon zur Routine geworden sind. Aber eben für diese zwei kleinen Kinder noch nicht. Und dann wird mir auch klar, dass es genau das ist, was sie erst von mir lernen: Routinen entwickeln. Für sich selbst und für eine Klarheit im Alltag. Dadurch sehen sie einfach viel eher und besser Dinge, die anders sind und lernen diese kennen und einschätzen.

Auch Gefahren. Schon seit sie dem Kinderwagen entflüchtet sind (und das ging hier sehr schnell), müssen sie an der Straße an meiner Hand laufen. Daran gehts nicht vorbei. Eine immer wieder kehrende Routine aus fester Handlung und immer gleichen Worten. Keine Ausnahme. Es bietet ihnen Sicherheit. Nicht nur im Sinne der Gefahr, sondern eben auch im Sinne „selbst sicher“ zu werden. Zu schauen, zu hören, einfach all ihr Sinne zu gebrauchen, wenn sie an der Straße gehen. Sobald wir ein Auto hören (hier auf dem Land fahren zum Glück nicht so viele – diese dafür aber viel zu schnell), bleiben wir stehen und schauen uns das Auto an, bis es vorbei gefahren ist. Erst dann gehen wir Hand in Hand weiter. Dies ist mittlerweile so arg in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie es akzeptieren an meiner Hand zu gehen (bei vielen anderen Kindern erlebe ich dies nicht so) und dass sie von selbst stehen bleiben. Ja, und das beruhigt mich auch als Mama. Das schafft Vertrauen und Sicherheit. Routinen sind ein langer Prozess aus ewig Gleichem und das macht es den Kindern sehr leicht. Es schafft auch in ihnen ein Vertrauen, dass das, was sie tun, richtig ist. Und das wiederum gibt ihnen Sicherheit, Klarheit und Leichtigkeit, weil sie vieles das einfach ohne Nachdenken tun.

Ich hätte noch so viele Beispiele für euch, aber es würde diesen Text sprengen. Bei Interesse könnt ihr das aber gern in die Kommentare schreiben und ich schreibe demnächst einfach eine Fortsetzung 🙂

2 Kommentare zu „Routine mit Zwillingen

  1. Hallo, sehr schön zusammen gefasst! Ich erkenne uns in allen Begebenheiten wieder! Aber ich denke die ganze Struktur und Routine, feste Regeln ohne Ausnahmen (!!!) und den später daraus folgenden endlosen Diskussionen, ist auch ein Zwillingsding 😉 Es hilft das anfängliche Chaos zu bewerkstelligen und wieder Herr der Lage zu werden, sofern man selbst ein strukturierter Mensch ist! Bei uns hat sich das auf lange Sicht, meine sind fast 5, sehr bezahlt gemacht! Hand beim Straße queren-selbstverständlich. 19.00 Uhr Bettgehen-seit 3 Jahren ohne jegliches Tamtam! Jeder muss es für sich selber finden, aber auch für uns sind Routinen Sicherheit und Verlässlichkeit! Und so empfinden es auch unsere Kinder!

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